Louis van Gaal findet Niko Kovac toll

Autor : Tobias Altschäffl, Christian Falk | 17.07.2019

Der Holländer wurde bei Bayern 2011 nach einem Double entlassen. Jetzt springt er dem aktuellen Trainer zur Seite.

Für Niko Kovac (47) begann die Saisonvorbereitung mit dem FC Bayern wie im vergangenen Sommer: mit Absagen. Im Urlaub hatte er sich über seinen Kader Gedanken gemacht. Der Plan der Bayern-Bosse, Leroy Sané (23) zu verpflichten, begeisterte ihn. Die Initiative für Ousmane Dembélé (22) etwas weniger. Kovac hatte zudem eigene Vorschläge mitgebracht.

Nach SPORT BILD-Informationen hatte Kovac intern angeregt, sich um seine Landsmänner Mario Mandzukic (33, Juventus Turin) und Ivan Perisic (30, Inter Mailand) zu bemühen. Bei den Gladbacher Mittelfeldspielern Denis Zakaria (20) und Florian Neuhaus (22) sieht Kovac Potenzial, würde sie bei Bayern gern entwickeln. Wie im Vorjahr bei seinen Vorschlägen Luka Jovic (21), Ante Rebic (25) und Kevin Vogt (27) fand er damit bei den Verantwortlichen wenig Gehör.

Kovac hat im Urlaub auch seine Rolle bei der Einkaufspolitik hinterfragt – und dass er seine Wünsche zu verhalten kommuniziert habe. Diesmal ging Kovac anders vor. Bereits aus den Ferien forderte er öffentlich vier weitere Spieler für den nach seiner Ansicht zu dünnen Kader. Seither jagt an der Säbener Straße eine Besprechung die nächste. Kovac setzte sich vier Tage vor dem Trainingsauftakt mit seinem neuen Assistenten Hansi Flick (54) zusammen, um die Kader-Struktur zu diskutieren. Das Trainerteam gab seine Überlegungen daraufhin an die Klubführung weiter.

Am Vormittag des 8. Juli, dem Tag, als die Bayern nachmittags in die Vorbereitung starteten, saßen Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge (63), Präsident Uli Hoeneß (67) und Hasan Salihamidzic (42) rund drei Stunden zusammen, um sich zu beratschlagen. Am Tag darauf forderte Kovac öffentlich erneut einen größeren Kader. Zwei Punkte waren ihm wichtig: Der FC Bayern habe seit Trainer Louis van Gaal einen eigenen Spielstil. Für diese Philosophie brauche er eine Kaderstruktur, wie sie auch van Gaal verlangte: 20 Feldspieler, davon vier Talente.

Man muss jungen Spielern die Chance geben, mit den großen zu wachsen.

Kovac will sich mit dem Van-Gaal-Stil durchsetzen! Sein holländisches Vorbild, das den FC Bayern von 2009 bis 2011 prägte, findet das klasse. „Das ist eine Form der Wertschätzung, die jeder mag!“, sagt Louis van Gaal zu SPORT BILD. Er holte in seiner ersten Bayern–Saison mit eigenen Talenten wie Thomas Müller (damals 20) und Holger Badstuber (damals 21) das Double, war zudem ins Champions-League-Finale eingezogen, wo es 2010 ein 0:2 gegen Inter Mailand gab.

Ich hatte keine große Auswahl an Spielern, weshalb die Jugend immer eine Chance hatte, einen Platz in der Auswahl zu bekommen,

sagt van Gaal. Diese Entscheidung habe er bewusst getroffen. Der Trainer ist der Überzeugung, dass es immer eine Mischung aus alten wie jungen Spielern geben muss. Van Gaal lobt daher Kovac für sein Vorgehen: „Als Trainer muss man Mut haben“, sagt van Gaal. „Junge Spieler inspirieren ältere Spieler, damit sie nicht beim Spielen auf Autopiloten-Fußball umschalten!“

Ähnlich wie van Gaal war auch Kovac in seiner ersten Saison bei den Bayern-Bossen nicht unumstritten. Bei beiden Trainern wurde zum Ende der Vorrunde intern diskutiert, ob sie eine gemeinsame Zukunft hätten. Am Ende feierten sowohl van Gaal als auch Kovac das Double. Die Arbeit von Kovac, sagt van Gaal, könne er zwar schwer beurteilen, aber:

Er ist mit seinen Spielern Meister geworden und hat auch den Pokal gewonnen! Das können nicht so viele Trainer sagen.

Exakt waren es sieben: Branco Zebec (1969), Udo Lattek (1986), Ottmar Hitzfeld (2000, 2003, 2008), Felix Magath (2005, 2006), van Gaal (2010), Jupp Heynckes (2013 Triple) und Pep Guardiola (2014, 2016). Drei von ihnen wurden während der Folgesaison entlassen. Darunter van Gaal.

Für Kovac bleibt die Erkenntnis: Selbst ein Double ist beim FC Bayern keine Jobgarantie. 

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