Mats Hummels: "Ich brauche keinen Bonus"
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Mats Hummels: "Ich brauche keinen Bonus" Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Mats Hummels: "Ich brauche keinen Bonus"

Der Weltmeister über den neuen Dreikampf

Der Gemütszustand von Mats Hummels (29) hätte unterschiedlicher nicht sein können. Nach Bayerns 3:1-Bundesliga-Auftaktsieg gegen Hoffenheim verließ der Weltmeister, der zuvor 90 Minuten auf der Bank saß, fast kommentarlos das Stadion. Nur ein Wort sprach Hummels. Auf die Nachfrage, ob er fit und einsatzbereit gewesen sei, antwortete er: „Topfit.“

Am vergangenen Samstag dagegen ging der Abwehrspieler mit einem breiten Grinsen aus dem Stuttgarter Stadion, schrieb am Mannschaftsbus bereitwillig Autogramme. Beim 3:0 stand er 90 Minuten auf dem Platz, spielte eine konzentrierte, souveräne Partie.

Hummels wie auch Weltmeister-Kollege Jérôme Boateng (30) finden sich in der neuen Saison in einer ungewohnten Situation wieder: Beide sind nicht mehr gesetzt, wenn es um die Innenverteidiger-Formation in großen Spielen geht. Aus Niklas Süle (23), 2017 noch mit dem Status des Talents von Hoffenheim verpflichtet, wurde ein echter Konkurrent.

Auf Augenhöhe, wie Niko Kovac betont. „Erfahrung ist in unserem Sport sehr wichtig. Aber Unbekümmertheit auch. Niklas präsentiert sich gut, er zeigt sich in den Trainingseinheiten und Spielen“, erklärt der Bayern-Trainer: „Ich finde, alle drei sind auf einem Niveau, da gibt es keine Unterschiede.“

Kein Vorsprung für die Weltmeister in der Abwehr – für Hummels kein Problem, wie er im Gespräch mit SPORT BILD versichert. „Ich denke, dass alle drei unglaublich stark sind. Das ist für mich kein großer Widerspruch“, meint Hummels zu der Kovac-Aussage: „Ich brauche keinen Bonus.“

Über seinen Frust am ersten Spieltag sagt Hummels: „Jeder sitzt einmal auf der Bank, in jedem Mannschaftsteil. Es wäre sehr überheblich den anderen beiden gegenüber, wenn ich es nicht akzeptieren würde, einmal nicht zu spielen. Denn Jérôme und Niki sind einfach sensationelle Innenverteidiger.“

Deswegen machte sich Kovac immer wieder dafür stark, Boateng nicht nach Paris zu verkaufen. Der Trainer sieht kein Problem darin, dass sich der Verteidiger, der am Montag 30 wurde, mit einem Wechsel beschäftigte. Intern sprach er Boateng früh das Vertrauen aus. Hummels befürwortet ebenfalls den Verbleib des Kollegen, auch wenn er für ihn mehr Konkurrenz bedeutet: „Es tut uns auf jeden Fall gut, dass Jérôme bleibt. Mit nur zwei Innenverteidigern wäre es ein bisschen knapp geworden.“ Jetzt dürften die Einsätze von Hummels indes knapper ausfallen als in der vergangenen Saison.

Statistisch haben alle drei Abwehrspieler ihre Top-Werte vorzuweisen: Süle hatte schon in der Vorsaison die meisten Einsätze (27) und weist die geringste Fehlpassquote auf (sechs Prozent). Boateng hat die beste Zweikampf-Quote (69 Prozent gewonnene Duelle), während Hummels die meisten Ballaktionen pro Spiel (93,4) hat.

Was sich beim verlorenen Pokalfinale gegen Frankfurt (1:3) zeigte: Ist die Bayern-Abwehr weit aufgerückt, haben Hummels (Top-Speed: 32,5 km/h) und Boateng (33,5 km/h) gegen Top-Sprinter wie Eintrachts Ante Rebic Probleme. Süle weißt mit 34 km/h die höchste Sprint-Höchstgeschwindigkeit des Trios auf. Boateng und speziell Hummels haben dagegen den Vorteil, eine Abwehr dank ihrer Erfahrung und Führungsqualität besser zu organisieren.

Hier kann Hummels als Leader punkten, muss sich jedoch auch Kritik gefallen lassen: Aus Nationalmannschaftskreisen ist zu hören, dass sich Mitspieler nach deutlichen Meinungsäußerungen von Hummels bei der WM im Fernsehen („Wenn sieben oder acht Mann offensiv spielen, dann ist klar, dass die offensive Wucht größer ist als die defensive Stabilität“) auch intern klare Worte des Abwehrbosses gewünscht hätten – die blieben aber selbst bei der Krisensitzung nach der Mexiko-Auftaktniederlage aus.