"Pep macht jeden Spieler besser!"

Autor : Tobias Altschäffl | 20.11.2019

Der beste Stürmer der Welt spricht über seine Form, sein wahres Alter, die Legende Müller und die Trainersuche beim FC Bayern

SPORT BILD: Herr Lewandowski, befinden Sie sich in der Form Ihres Lebens? 

Robert Lewandowski (31): Das kann sein, ja. Ich habe sehr hart für diese Form gearbeitet. Aktuell läuft es perfekt, mein Körper fühlt sich gut an. Es ist gut, das im Kopf zu haben, bedeutet aber nicht, dass ich mich ausruhe: Ich will noch besser werden! Aufgrund meines Körpers und meiner Einstellung kann ich so gut spielen und so viele Tore schießen. Das war schon vor der Saison meine Idee, meine Vorstellung: Ich will mich auf hohem Niveau immer noch weiter verbessern, Dinge probieren, die ich bisher noch nicht gemacht habe. 

Das gelingt Ihnen nicht nur mit Toren: Ihre spektakuläre Ballannahme gegen Dortmund in zwei Metern Höhe war auch in den sozialen Medien ein Hit. Hat sich schon der Zirkus „Roncalli“ gemeldet, um Sie zu verpflichten? 

Das war schon eine sehr artistische Szene (lacht). Ich dachte, dass ich keine Chance habe, diesen Ball zu erreichen. Als ich das danach im Video gesehen habe, dachte ich mir: Das sieht gut aus! Ich habe an der Reaktion der Zuschauer gemerkt, dass es ein besonderer Moment war. Sie haben gejubelt, obwohl es kein Tor war. 

Was haben Sie vor der Saison geändert, um noch besser zu werden? 

Eine gute Vorbereitung mit zusätzlichem individuellem Training war sicher ein Schlüssel. Zudem kenne ich meinen Körper inzwischen perfekt: Ich weiß, wann ich noch mehr machen kann, wann ich etwas bremsen muss. In meinem Pass steht zwar: „Robert Lewandowski, 31 Jahre.“ Aber so fühle ich mich nicht. Meine beste Zeit beginnt erst jetzt und dauert hoffentlich noch einige Jahre. Das Beste kommt erst noch. Und das sage ich nicht nur so. 

Was meinen Sie? 

Ich war mein ganzes Leben lang ein Spätentwickler. Ich bin relativ spät gewachsen, habe meine Entwicklungsschritte immer mit etwas Verzögerung gemacht. Ich war immer zwei, drei Jahre hintendran. Die Zahl 31 heißt bei mir also nicht gleich 31.

Das heißt: Robert Lewandowski ist in Wahrheit erst 29… 

…oder noch jünger (lächelt). Ich habe mit einem Professor einen Test über mein wahres biologisches Alter gemacht. Da kam heraus, dass ich deutlich jünger als 31 sein müsste. 

Sie arbeiteten zwischenzeitlich auch mit einem Schlaftrainer. Wie hat Sie das beeinflusst? 

Es gab zwei, drei Sitzungen, wir haben uns getroffen. Es ging um einige Details, wie ich besser regenerieren kann. 

Worum ging es genau? 

Beispielsweise, dass es überhaupt keine Lichtquelle im Raum gibt. Wir haben sogar darüber gesprochen, in welcher Position ich am besten schlafe. Da ich Rechtshänder bin und der rechte mein stärkerer Fuß ist, ist es für mich besser, auf der linken Seite zu schlafen. Ich versuche das umzusetzen, aber das Eins-zu-eins hinzubekommen ist natürlich schwer. 

Sie lieferten sich in der Bundesliga jahrelang Duelle mit Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang. Wie ist es, aktuell nahezu außer Konkurrenz zu sein? 

Es gibt immer noch Timo Werner, der bei elf Toren steht. Das ist eine starke Leistung. Aber ich kenne es seit Jahren, dass ich auf mich selbst konzentriert sein muss. Selbst wenn es keinen direkten Konkurrenten gibt, ist es meine Motivation, den Abstand zu Platz zwei noch mehr zu vergrößern und vor allem immer noch mehr Tore für den Erfolg der Mannschaft zu schießen und Titel zu gewinnen. 

Sie überstrahlen im Moment alle Spieler in der Liga. Wer sind für Sie weitere Top-Stars? 

Jadon Sancho, der großes Potenzial hat. Aber es gibt auch andere Spieler, die mich beeindrucken: Leipzig hat mit Upamecano und Konaté zwei richtig starke Verteidiger. Werner hat eine Top-Quote. Allgemein ist die Bundesliga in diesem Jahr sehr eng zusammen, die Saison wird sehr interessant. 

Gibt es auf der Welt aktuell einen Mittelstürmer, der es mit Ihnen aufnehmen kann? 

Ich gebe alles, um möglichst der Beste zu sein.

Muss Bayern die Champions League gewinnen, damit Sie bei der Weltfußballer-Wahl eine echte Chance haben? 

Die Frage ist, ob es bei dieser Wahl um die besten Spieler oder die bekannteste Liga geht. Meiner Meinung nach haben Spieler aus der Premier League und Primera División dort einfach einen Vorteil. Schauen Sie sich 2013 an: Franck Ribéry hat überragend gespielt, der FC Bayern hat die Champions League gewonnen. Trotzdem wurde er bei der Wahl nur Dritter. Dennoch hoffe ich nach wie vor, dass ich diese Auszeichnung irgendwann – als Bayern-Spieler! – gewinnen kann. Jeder kennt die Zahlen und Statistiken, alles andere liegt nicht in meiner Hand. 

Sie werden aktuell wegen Ihrer Treffer-Serie immer wieder mit Gerd Müller verglichen. Was wissen Sie eigentlich über den „Bomber der Nation“?

Er war einzigartig im Strafraum. Ich habe von Kalle Rummenigge und Uli Hoeneß viele Geschichten über Gerd Müller gehört. Er ist eine Legende. 

Welche Geschichten haben Rummenigge und Hoeneß erzählt? 

Sie sagen mir oft nach Spielen, dass Gerd Müller ähnliche Bewegungen gemacht oder Tore erzielt hat. Ich erinnere mich auch, dass sie mir sagten, Gerd Müller habe immer mit sehr langen Stollen gespielt. Die Plätze waren damals sehr tief und weich, er brauchte den Halt für die schnellen Drehungen. 

Knacken Sie seinen legendären 40-Tore-Rekord? 

Es ist immer noch ein weiter Weg! Mir fehlen noch 24 Tore. Wenn ich irgendwann bei 35 Treffern stehen sollte, dann können wir darüber sprechen. Jetzt ist es noch zu früh.

Ihre Quote ist umso erstaunlicher, da es bei Bayern in dieser Saison alles andere als rund läuft. Warum war es wichtig und richtig, nach der 1:5-Pleite in Frankfurt einen Trainerwechsel vorzunehmen? 

Der Vorstand hat entschieden. Es lief einfach nicht. Hansi Flick hat in nur wenigen Tagen gut gearbeitet, einen super Job gemacht, uns auch taktisch sehr gut eingestellt. Die Spieler haben direkt an ihn und seine Worte geglaubt, er hat uns neues Leben eingehaucht. 

Was zeichnet Flick aus? 

Die Kommunikation mit den Spielern, er ist ehrlich und direkt. Das haben die Spieler sofort gemerkt. Aber er arbeitet auch taktisch gut. Ich will nicht sagen, dass nun alles super ist. Aber er hat in wenigen Tagen einen sehr guten Job gemacht. 

Ist Flick die richtige Lösung bis Saisonende? 

Das ist eine sehr gute Option. Es ist nicht leicht für den Verein, es gibt nicht viele Trainer auf dem Markt. Und welcher Trainer lässt seine Mannschaft während der Saison im Stich? Es wäre sicher sinnvoll, mit Hansi Flick weiterzumachen.

Waren die wichtigsten Maßnahmen von Flick, das Zentrum zu stärken sowie die Abwehr umzubauen? 

Wir hatten gegen Piräus und Dortmund das Gefühl, dass wir hinten gut stehen und dort nichts passiert. Das gibt dir Stärke und die Möglichkeit, sich mehr auf die Offensive zu konzentrieren. Du kannst in der Offensive mehr ins Risiko gehen, wenn du weißt, dass hinten nichts anbrennt. 

Nach der Saison soll es eine große Trainerlösung beim FC Bayern geben. Ist es dabei wichtig, dass der Klub sich vor allem nach der Philosophie des neuen Trainers richtet, anstatt nur eine Art Moderator für all die Superstars zu holen? 

Jeder Trainer hat seine Wunschtaktik, sein Lieblingssystem. Es zeichnet einen Trainer aber auch aus, mit den Spielern zu arbeiten, die im Klub bereits vorhanden sind. Ein guter Trainer muss flexibel sein und die beste Taktik für die Spieler finden, welche in einem Klub vorhanden sind. Beide Seiten müssen sich anpassen. 

SPORT BILD berichtete vergangene Woche vom Interesse des FC Bayern, Pep Guardiola nach München zurückzuholen. Was halten Sie von dieser Idee? 

Das ist natürlich nicht meine Entscheidung. Aber Pep Guardiola macht meiner Meinung nach fast jeden Spieler besser, deswegen kann sich jeder glücklich schätzen, unter ihm zu trainieren.

Nach wie vor steht bei Ihnen eine Operation an. Welche Probleme haben Sie genau mit der Leiste, und wann wird der Eingriff durchgeführt? 

Es ist ein kleiner Leistenbruch, der durch einen minimalinvasiven Eingriff behoben werden muss. Das hat eine zehngige Pause zur Folge. Ich werde das in der Winterpause machen lassen, damit ich kein Spiel verpasse.

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