Robben: "Bayern war die beste Entscheidung meiner Karriere"

Autor : Christian Falk | 04.09.2019

Sport Bild: Herr Robben, Sie haben sich Ihre Entscheidung nicht leicht gemacht. Erst sechs Wochen nach Ihrem letzten Pflichtspiel beim Pokalsieg des FC Bayern teilten Sie per Erklärung Ihr Karriereende mit. Wann wussten Sie: Jetzt ist Schluss?

Arjen Robben (35): So etwas kannst du nicht vom einen auf den anderen Tag entscheiden. Immer wieder hatte ich Zweifel, überlegte noch einmal. Das ging über Wochen und Monate. Ein Moment war vielleicht dennoch vorentscheidend. Meine Frau und ich waren nach der Saison ein paar Tage auf Mykonos ohne die Kinder. Da habe ich Bernadien gegenüber erstmals ausgesprochen: „Ich glaube, ich höre auf.“ Ich wollte wissen, wie sich das anfühlt. Ab da fing ich an, mich an den Gedanken zu gewöhnen. Noch aber mit der Option: Wenn es sich nicht gut anfühlt, mache ich weiter. Die endgültige Entscheidung fiel dann wirklich erst an diesem Donnerstag (4. Juli; d. Red.), an dem ich die Erklärung rausgeschickt habe.

Haben Sie denn schon realisiert, dass es mit dem Fußballspielen für Sie endgültig vorbei ist? 

Soweit bin ich noch nicht, das ist noch zu früh. Einen Preis für meine Karriere wie den SPORT BILD-Award entgegenzunehmen hilft mir, das nach und nach zu realisieren. Bis zuletzt war ich ja im Urlaub, das ist nach einer langen Saison normal. Wenn ich aber jetzt meine Kinder zur Schule bringe, fahre ich nicht weiter zum Training an die Säbener Straße, sondern zurück nach Hause. Das ist gewöhnungsbedürftig.

Sie hatten auch Optionen weiterzuspielen. Lukrative Angebote wie aus China oder auch aus Ihrer Heimat mit dem PSV Eindhoven lagen Ihnen vor.

Es war in der Tat viel Interesse da, von wirklich tollen, sportlich guten Vereinen. Es gehört sich aber nicht, diese Klubs zu nennen. Was ich sagen kann: Ich habe sehr interessante Gespräche geführt. Leider musste ich am Ende einige Leute dann doch enttäuschen.

Sie hatten es nach langwieriger Verletzung geschafft, zum Saisonfinale noch in der Bundesliga und im Pokal auf dem Rasen zu stehen. Hätten Sie auch aufgehört, wenn Sie nicht mehr rechtzeitig fit geworden wären?

Das hat sicherlich eine Rolle gespielt, denn so hätte ich mich nicht verabschieden wollen. Für diese Einsätze musste ich noch einmal richtig kämpfen. Es gab Momente, in denen ich gedacht habe, ich schaffe es nicht mehr. Zum Glück hat alles geklappt. Das jetzige Ende war wunderschön, fast wie in einem Film: Du holst im letzten Spiel die Meisterschaft und schießt dabei noch ein Tor. Eine Woche darauf hielt ich den DFB-Pokal in den Händen. Was ich fast sogar als noch schöner empfand als die Titel war die Anerkennung der Menschen.

Mit Ihnen verabschiedete sich Ihr kongenialer Partner Franck Ribéry. Ihr Verhältnis war nicht immer so herzlich wie beim Abschied. Ribéry verpasste Ihnen 2012 per Faustschlag in der Kabine ein Veilchen.

Mit Franck habe ich wirklich eine sehr, sehr gute Beziehung. Natürlich hat es einmal richtig gekracht, das haben alle gesehen. Damit war es aber auch gut. Auf dem Platz haben wir von Anfang an harmoniert. Gleich bei meinem Debüt gegen Wolfsburg legte Franck mir zwei Tore auf. Von Tag eins an haben wir uns fußballerisch hervorragend verstanden. Franck ist in dieser Hinsicht wie ich: Er will Spaß und Freiheit auf dem Platz. Wir haben die Zeit bis zum Ende gemeinsam genossen.

Wie hat es Ihnen gefallen, dass Ihre Namen zu „Robbery“ verschmolzen wurden?

Das empfand ich als sehr schön und ist auch eine Anerkennung.

Dass zwei Flügelspieler so lange zusammen in einem Verein spielen, zumal als Ausländer, gibt es nicht oft im Weltfußball. Ich habe selbst noch nie von einem ähnlichen Duo gehört.

Robben und Ribéry standen ein Jahrzehnt für Weltklasse beim FC Bayern. Ist da der eine Triumph in der Champions League 2013 nicht fast schon zu wenig?

Ja, vielleicht ist das so. Wir hätten öfter den Titel gewinnen können, waren ganz oft sehr nah dran, haben zwei Finals verloren. Beim ersten Endspiel 2010 in Madrid war Franck gesperrt. Ich kann mich auch an einige Halbfinals erinnern, in denen einer von uns oder sogar beide gefehlt haben. Wir hatten oft Pech mit Verletzungen. Ich sage nicht, dass wir gewonnen hätten, wären wir dabei gewesen. Die Chancen dafür wären aber mit uns beiden auf dem Platz sicher nicht geringer geworden.

Mit Philippe Coutinho hat der FC Bayern einen Nachfolger für Sie geholt. Bevor der Brasilianer Ihre Nummer 10 bekam, fragte Sie der Klub um Erlaubnis.

Ich habe wirklich geschätzt, dass Brazzo (Sportdirektor Hasan Salihamidzic; d. Red.) mich extra angerufen hat, um mich zu fragen. Das war eine schöne Geste. Meine Antwort war: „Ich will nur das Beste für diesen Verein. Wenn ein Spieler kommt, der die 10 haben will und sie zu ihm passt, dann kann er sie sehr gerne haben.“

Jetzt kommt eine neue Zeit, mit neuen Spielern.

Die Nummer 10 bringt auch eine gewisse Verpflichtung mit sich.

Unabhängig davon, dass ich die 10 zehn Jahre beim FC Bayern trug, ist die Nummer natürlich eine besondere im Fußball. Wenn du aber zu so einem großen Klub wie dem FC Bayern als großer Spieler wie Coutinho kommst, ist da automatisch Druck da. Ich glaube aber, dass ist er schon gewohnt.

Der FC Bayern wollte ursprünglich mit Leroy Sané, der sich dann verletzte, einen klassischen Flügelspieler nach München holen. Der Stil von Coutinho ist dagegen anders. Verändert sich dadurch die Spielphilosophie des FC Bayern?

Coutinho ist ein Superspieler, ganz klar. Er war bei Liverpool und Barcelona, nun ergibt sich beim FC Bayern für ihn eine neue Chance. Lassen wir uns doch von ihm überraschen. Die Verantwortlichen im Verein haben sehr viel Ahnung und wissen, was sie machen. Am Ende zählt im Fußball und gerade beim FC Bayern nur eines: Sie brauchen Erfolg.

Coutinho kam aus Barcelona, weil dort im Team kein Platz für ihn war. Sie wechselten einst nach München, da Real Madrid nicht mehr mit Ihnen plante. Bei Ihnen beiden war Bayern anfangs also nicht die Wunschlösung. 

Heute kann ich sagen: Für mich war der FC Bayern die beste Entscheidung meiner Karriere. Das konnte ich vorher aber nicht wissen. In dem damaligen Moment fühlte es sich wie ein Rückschritt an. Ich steckte mir immer die höchsten Ziele, und meines war: die Champions League zu gewinnen. Zum Zeitpunkt meines Wechsels zählte der FC Bayern nicht zum engsten Favoritenkreis, das hatten die Ergebnisse in den Jahren zuvor gezeigt. Dies hat sich aber sehr schnell geändert. Coutinho findet einen anderen FC Bayern wie ich damals vor. Der Klub kann jedes Jahr um den Sieg in der Champions League mitspielen. Das gilt auch für diese Saison.

Mit Kingsley Coman und Serge Gnabry sind zwei weitere potenzielle Robbery-Erben im Klub. Was können wir von diesem Duo erwarten?

Bei Kingsley und Serge habe ich große Erwartungen. Sie sind beide gute Jungs, wollen lernen und sich ständig verbessern. Sie haben die besten Voraussetzungen, den richtigen Charakter und ihr Potenzial bereits gezeigt. Aber: Sie haben noch einen sehr langen Weg vor sich. Ich würde ihnen von Herzen eine große Karriere gönnen. Doch nun sind sie an der Reihe, sich zu zeigen. Ich wünschte, ich hätte eine Glaskugel, um in ihre Zukunft zu sehen.

Ihre eigene Zukunft können Sie dagegen sehr wohl beeinflussen. Werden wir Arjen Robben in einer anderen Funktion im Fußball sehen?

Ich bin selbst gerade dabei herauszufinden, was ich für mein Leben nach der Karriere will. Seit ich 16 bin, spielte ich Profi-Fußball. Das sind fast 20 Jahre. Jetzt ist erst einmal meine Familie auf Platz eins, die mich nicht mehr mit dem Fußball teilen muss. Wir werden erst mal ein Jahr weiterhin in München wohnen. Meine Kinder kennen kein anderes Zuhause. Darauf freue ich mich. Es gibt aber natürlich auch andere Spielertypen, die direkt nach der Karriere mit dem Trainerschein anfangen.

So wie Ihr Freund Mark van Bommel, der erfolgreich Ihren ehemaligen Verein PSV Eindhoven trainiert. Wäre er in Zukunft mal ein Trainer für den FC Bayern?

Aktuell hat der FC Bayern einen Trainer, deshalb kommt das nicht infrage. Er ist ein Typ, der sehr gut in seiner Zeit als Spieler in München zu dem Verein gepasst hat. Der Vorstand schätzt ihn. Mark hat den Charakter, wie ihn ein Trainer des FC Bayern braucht. Wenn er sich so weiterentwickelt, kann ich mir ihn irgendwann sehr gut in München vorstellen.

 

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