Robert Lewandowski: Tor-​Re­kord zum Einrahmen

Autor : Tobias Altschäffl | 14.03.2019

SPORT BILD: Herr Lewandowski, wie gut erinnern Sie sich an Ihr erstes Bundesliga-Tor am 19. September 2010?

ROBERT LEWANDOWSKI (30): Sehr gut, ein Kopfballtor gegen Manuel Neuer! Es war mein drittes Spiel für Dortmund, dann treffe ich ausgerechnet im Derby gegen Schalke. Wir haben am Ende 3:1 gewonnen, ich habe zum 3:0 getroffen, nach einer Flanke von Nuri Sahin. Es ist alles noch vor meinen Augen. Aber ich habe nie daran geglaubt, dass ich einmal diese Marke an Toren erreichen würde. 197 Treffer in der Bundesliga – unglaublich!

Welches war Ihr schönstes Tor in der Bundesliga?

Ich muss sofort an das Wolfsburg-Spiel mit den fünf Toren in neun Minuten zurückdenken. In dieser Partie gelang mir einfach alles, ich hätte es mir nicht besser erträumen können. Ich habe lange gebraucht, um überhaupt zu begreifen, was an diesem Tag passiert ist. Das 5:1 von mir, per Seitfallzieher erzielt, war mein schönstes Tor in der Bundesliga. Das war das Sahnehäubchen in diesem unfassbaren Spiel.

Welche anderen Bundesliga-Tore kommen Ihnen noch in den Sinn?

Spezielle Siegtore sind mir besonders im Gedächtnis geblieben. Beispielsweise als ich in der Saison 2011/12 am 30. Spieltag zum 1:0 für Dortmund gegen Bayern traf. Das war für uns die Vorentscheidung, wir wurden danach Meister. Bei Bayern habe ich einige Tore in letzter Minute erzielt. Aber: Mein schönstes und wichtigstes Tor kommt noch, da bin ich mir sicher!

Was fällt Ihnen als Erstes zu Claudio Pizarro und Giovane Elber ein, den ausländischen Rekordtorjägern, die Sie nun überholt haben?

Mit Claudio habe ich kurz zusammengespielt. Ich habe gesehen, welch großer Spieler er ist. Als ich jung war, habe ich Bayern München im Fernsehen verfolgt. Mit dem Sturm-Duo Jancker/Elber. Ich habe nie zu träumen gewagt, dass ich diese Spieler einholen würde. Ich bin sehr stolz, das ist eine große Ehre für mich.

Was sagen Sie zu Menschen, die behaupten: Beim FC Bayern ist es einfacher als in anderen Klubs, Tore zu erzielen?

In der Bundesliga spielen viele Mannschaften sehr defensiv. In der Champions League hat man mehr Raum als in der Bundesliga! In der Liga habe ich oft zwei, drei Gegenspieler. Natürlich hat man als Bayern-Stürmer mehr Tor-Situationen als in anderen Klubs, aber wenn ich hier nur zehn Tore schießen würde, wäre es zu wenig. In anderen Vereinen ist das ein guter Wert. Der Druck beim FC Bayern ist viel größer.

In der Historie ging es bei Bayern oft schnell, wenn ein Stürmer nicht mehr gut genug war und zu selten traf: Ob Elber oder Makaay – oft war es schnell vorbei.

Es ist so, wenn man bei einem Topverein Europas spielt: Die Erwartungen sind gigantisch. Der FC Bayern hatte seit Gerd Müller immer Super-Stürmer, das gehört zur DNA des Vereins.

Und ich bin weiter hungrig, ich möchte neue Rekorde aufstellen.

Wäre es in einer anderen Liga für Sie schwerer oder einfacher?

In Deutschland hat man im Vergleich zur spanischen La Liga vier Spiele weniger pro Saison. Das bedeutet: vier Gelegenheiten weniger zu treffen. Deswegen kann man die Saisontreffer von Spielern zwischen beiden Ligen schwer vergleichen. Die Bundesliga ist für mich die Liga in Europa, in der die Gegner von Topteams wie uns am defensivsten spielen.

Sie sind inzwischen dritter Kapitän. Hat Sie die Ernennung motiviert?

Die Verantwortung ist größer geworden, weil mir der Trainer und der Verein diese Aufgabe zutrauen. Aber wenn Verantwortung auf dich übertragen wird, hast du automatisch dieses Gefühl: Du willst dich um die Gruppe, um die Mannschaft kümmern. Ich habe das gespürt, als ich bei der polnischen Nationalmannschaft die Binde bekommen habe. Und das gleiche Feeling hatte ich nun, als ich hier einer der Kapitäne wurde.

Wie war der Moment, als Niko Kovac Ihnen mitteilte, dass Sie nun der dritte Spielführer sind?

Es war kein spezieller Moment, das war ein Prozess über mehrere Wochen. Der Trainer hat auch nicht zu mir gesagt, dass ich nun der dritte Spielführer bin. Ich bin einer der drei Kapitäne. Wichtig ist, dass wir auf dem Platz und in der Kabine eine Einheit sind.

Sie sind nach einer schweren Zeit nicht von Bayern weggegangen, haben inzwischen mehr Verantwortung, treffen nach wie vor. Eigentlich könnten Sie für immer in München bleiben und Ihren 2021 auslaufenden Vertrag verlängern, oder?

Ich will noch lange Fußball spielen und kann mir eine längere Zukunft bei Bayern vorstellen, es macht mir sehr viel Spaß hier, meine Familie fühlt sich wohl

Diesen Mittwoch steigt das große Rückspiel gegen Liverpool. Wie stehen Bayerns Chancen nach dem 0:0 im Hinspiel?

Es ist immer noch ein 50:50-Spiel. Wir müssen ruhig bleiben. Es herrscht nach dem 6:0 gegen Wolfsburg viel Euphorie, aber wir müssen die Partie konzentriert angehen. Wir brauchen das Selbstbewusstsein der vergangenen Spiele, dürfen aber nicht denken, dass es auch nur im Ansatz so leicht wird wie beim 5:1 in Gladbach oder beim 6:0 über Wolfsburg.

Wird Bayern offensiver agieren als im Hinspiel?

Wir müssen offensiver agieren, den Gegner zu Fehlern zwingen. Wir müssen bereit sein: Wenn Liverpool nur einen Fehler macht, müssen wir diesen ausnutzen.

Alle Augen werden dabei auch auf Sie gerichtet sein!

Ich weiß, dass von Liverpool mehrere Spieler darauf konzentriert sein werden, zu verhindern, dass ich treffe. Ich werde alles dafür geben, das Spiel zu entscheiden.

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