Salihamidzic: Wir trauen der neuen Generation den Champions-League-Sieg zu!

Autor : Tobias Altschäffl | 27.05.2020

Es war nur ein Ne­ben­satz. Doch der wurde so­wohl in der Bran­che als auch beim FC Bay­ern aufmerk­sam ver­nom­men. „Ich bin Ka­pi­tän“, sagte Ma­nuel Neuer (34) un­ge­fragt im Interview nach dem 2:0-Sieg bei Union Ber­lin, dem ers­ten Spiel nach der Co­rona-Pau­se.

Kurz zuvor hatte Karl-Heinz Rum­me­nigge (64), noch wäh­rend der lau­fenden Ver­trags­ver­hand­lun­gen mit dem Tor­hü­ter, er­klärt: „Ich bin über­zeugt, dass Jos­hua Kimmich eines Tages unser Kapitän wird.“ War Neu­ers Aussage ein da­durch provozier­ter Hin­weis an den ehr­gei­zi­gen Kol­le­gen?

Kurz nach sei­nem State­ment ver­län­gerte Bay­ern Neu­ers Ver­trag. Nicht bis 2025, wie zu­nächst dis­ku­tiert, son­dern bis 2023. Wäh­rend der Ka­pi­tän an Bord bleibt, hat sich im Hin­ter­grund längst die nächs­te, neue Gruppe ge­bil­det. Mit An­trei­ber Jos­hua Kim­mich (25), dem künf­ti­gen Ab­wehr­boss Ni­klas Süle (24), dem mei­nungs­star­ken Leon Go­retzka (25), Stür­mer­star Serge Gna­bry (24) und künf­tig wohl auch mit Leroy Sané (24).

Sie nennt sich selbst „New Gen“,“­neue Ge­ne­ra­tion“, be­steht aus deut­schen Na­tio­nal­spie­lern, die sich teil­weise seit Jah­ren ken­nen. Die das neue Ge­rüst des Re­kord­meis­ters bil­den sol­len. Und die die Rolle von Neu­er, Tho­mas Mül­ler (30) & Co. in Mün­chen über­neh­men wer­den: Macht­wech­sel bei den Bay­ern!

Die Wach­ab­lö­sung wird im Ver­ein be­wusst ein­ge­lei­tet. Sport­di­rek­tor Hasan Sa­liha­mid­zic (43) sagt zu SPORT BILD: „Im­mer, wenn der FC Bay­ern eine Ära ge­prägt hat und sehr er­folg­reich war, gab es einen star­ken Stamm deut­scher Spie­ler, der auch die At­mo­sphäre in der Ka­bine steu­er­te.“ Und er fügt hin­zu: „Dass Jos­hua, Ser­ge, Leon, Niklas bei uns spie­len, ist also kein Zu­fall. Sie sind die Spie­ler, die ihre Ge­ne­ra­tion prä­gen.“

Die Ziele mit der „New Gen“ – so be­ti­telte Ni­klas Süle wäh­rend des Ok­to­ber­fes­tes 2019 selbst ein Grup­pen­foto der neuen An­füh­rer – sind rie­sig. Wie sehr die junge Ge­ne­ra­tion auf den größt­mög­li­chen Er­folg drängt, zeigte sich im Herbst 2019: An­ge­führt von Kim­mich wur­den unter Ex-Trai­ner Niko Kovac (48) De­fi­zite an­ge­spro­chen und Ver­än­de­run­gen ge­for­dert. Da­mals hielt die alte Ge­ne­ra­tion noch an Kovac fest: Beim Ge­spräch mit den Bos­sen, das Kovac eine wei­tere Chance be­scher­te, waren mit Neu­er, Mül­ler, Ro­bert Le­wan­dow­ski (31) und Franck Ribéry (37) nur Spie­ler ver­tre­ten, die der äl­te­ren Garde an­ge­hö­ren. In­zwi­schen sind im Mann­schafts­rat neben den drei Ka­pi­tä­nen (Neu­er, Mül­ler, Le­wan­dow­ski) auch David Alaba (27), Thiago (29) und eben Kim­mich, der de­si­gnierte Ka­pi­tän.

Kim­mich, Go­retzka & Co. sol­len eine Ära prä­gen.

„Wir trauen ihnen alles zu, auch den Ge­winn der Cham­pi­ons Lea­gue“, meint Sa­liha­mid­zic, be­tont je­doch: „Aber al­leine wer­den sie es nicht hin­be­kom­men. Sie pro­fi­tie­ren von ihren groß­ar­ti­gen Kol­le­gen aus dem Aus­land und der zwei­ten star­ken Gruppe deut­scher und deutsch­spra­chi­ger Spie­ler mit Ma­nu­el, Tho­mas, Jérôme und Da­vi­d.“

Der Sport­di­rek­tor wei­ter: „Diese Gruppe hat die Cham­pi­ons League be­reits ge­won­nen und will sie noch ein­mal ge­win­nen. Ich habe es immer ge­sagt: Wir haben Top-Spie­ler, die als Team sehr gut funk­tio­nie­ren.“ Kim­mich, Go­retzka und Süle wur­den 2017 ge­mein­sam Con­fed-Cup-Sie­ger. Bei der WM 2018 muss­ten sie schon ein­mal er­le­ben, dass mit den al­ten, mög­li­cher­weise zu sat­ten Pro­fis der 2013/2014-Ära ihre Ziele nicht er­reicht wur­den. Beim DFB wur­den nach dem Russ­land-De­sas­ter mit Mül­ler, Hum­mels und Boa­teng drei der Alt-Bay­ern aus­sor­tiert.

„Un­ser Ziel ist es, so­wohl mit dem FC Bay­ern Mün­chen als auch mit der Na­tio­nal­mann­schaft Titel zu ge­win­nen“, sagt Kim­mich und er­gänzt, was die Klasse von 1995 von den Tri­ple-Sie­gern un­ter­schei­det: „Un­sere Ge­ne­ra­tion hat viel Po­ten­zial und Qua­li­tät, aber eben noch nicht so viel ge­won­nen. Das wol­len wir än­dern!“

Gna­bry und Kim­mich ken­nen sich, seit sie zwölf Jahre alt sind. Sie ver­bin­det eine dicke Freund­schaft, in der Vor-Co­rona-Zeit gin­gen sie im Münch­ner Stadt­teil Har­la­ching häu­fig ge­mein­sam ins Café. Go­retzka und Kim­mich zeig­ten mit der „We kick Co­ro­na“-Ak­tion ihr Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein: Die Ak­tion wurde im Ver­ein nicht nur po­si­tiv re­gis­triert, son­dern auch mit einer sechs­stel­li­gen Summe un­ter­stützt. Beide Stars bil­de­ten zu­letzt das Zen­trum im de­fen­si­ven Mit­tel­feld, sie sit­zen auch in der Ka­bine ne­ben­ein­an­der – und tausch­ten in der Ver­gan­gen­heit sogar schon mal die Autos aus. „Leon nimmt eine gute Ent­wick­lung, die Sechs ist eine Po­si­tion, auf der er seine Stär­ken gut ein­set­zen kann“, lobt Trai­ner Hansi Flick (55) den form­star­ken Go­retz­ka, der neben dem Platz mit star­ken (po­li­ti­schen) State­ments Reife zeigt. „Man sieht Leon an, dass er an Mus­kel­masse zu­ge­legt hat. Das kommt sei­nem Spiel ent­ge­gen.“

Der 95er-Jahr­gang un­ter­stützt sich auf und neben dem Feld. So sagt Süle schon jetzt über Kim­mich: „Er ist der ge­bo­rene Ka­pi­tän.“

Die „New Gen“ bil­det die Zu­kunft des FC Bay­ern. Und des­halb wis­sen die Bos­se: Nach den ak­tu­el­len Ver­hand­lun­gen der eher äl­te­ren Ge­ne­ra­tion (Mül­ler, Neu­er, Ala­ba, Thia­go) müs­sen sie spä­tes­tens im kom­men­den Jahr an die Ver­träge der Spie­ler ran, die für den Macht­wech­sel ste­hen: Die Ar­beits­ver­träge von Go­retzka und Süle enden 2022, die von Kim­mich und Gna­bry 2023.

„Wir ken­nen uns alle aus di­ver­sen Ju­gend­mann­schaf­ten und aus den U-Na­tio­nal­mann­schaf­ten und ver­ste­hen uns alle auch recht gut“, sagt Kim­mich über die „New Gen“:“Das ist si­cher nicht von Nach­teil, wenn man weiß, wie der Ein­zelne tick­t.“ Es sind Ty­pen, die beim FC Bay­ern her­an­wach­sen. Sie stre­ben nach Er­folg und Ti­teln. Es ist keine Frage mehr, ob sich des­halb auch die Macht­ver­hält­nisse in­ner­halb des Ver­eins än­dern – der Pro­zess läuft längst!

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