Süle: "Die Hoeneß-Aussage hat mich irritiert"

Autor : Tobias Altschäffl | 26.02.2020

Niklas Süle (24) zö­gert keine Se­kun­de. Die Fra­ge, auf wie viel Pro­zent er seine EM-Chan­cen be­zif­fert, ist ge­rade ge­stellt, da ant­wor­tet er: „100 Pro­zent!“

Der Ab­wehr­chef des FC Bay­ern stei­gerte in den ver­gan­ge­nen Wo­chen Tag für Tag sein Lauf­pen­sum. Am 19. Ok­to­ber 2019 riss er sich beim 2:2 in Augs­burg das Kreuz­band. Zum zwei­ten Mal im lin­ken Knie. Erst­mals war es im De­zem­ber 2014 pas­siert, da­mals spielte der 19-Jäh­rige noch für die TSG Hof­fen­heim.

Trotz der neuen Schock­dia­gnose war der Ver­tei­di­ger op­ti­mis­tisch. „Ich habe es so ge­nom­men, wie es ge­kom­men ist“, sagt Süle: „In puncto Mo­ti­va­tion habe ich mich sehr ent­wi­ckelt: Es gab nicht einen ein­zi­gen Tag, an dem ich ge­zwei­felt ha­be.“

Die ers­ten sechs Wo­chen musste er noch an Krücken ge­hen: „Klar musst du dich ge­rade am An­fang quä­len, im ein­tö­ni­gen Trai­ning kom­men Ge­dan­ken wie: ,Was musst du heute wie­der ma­chen?‘ Aber ich hatte immer ein Ziel vor Au­gen, das hat mich jeden Tag an­ge­trie­ben auf­zu­ste­hen und hart zu trai­nie­ren. Ich wollte zu­rück zu den Jungs auf den Platz.“

Süle hatte sogar zwei Ziele vor Au­gen: noch in die­ser Sai­son Spiele für Bay­ern zu ma­chen und an der EM teil­zu­neh­men. Umso mehr tra­fen ihn die Aus­sa­gen von Uli Hoe­neß (68). Der Ex-Prä­si­dent sagte nur zwei Tage nach der Ver­let­zung über Süle: „So wie es aus­schaut, ist die Sai­son be­en­det, die Eu­ro­pa­meis­ter­schaft ist ad acta ge­legt, die kön­nen Sie total ver­ges­sen!“

Süle klingt noch heute ver­är­gert, wenn er über diese Sätze spricht. „Mich hat die Aus­sage von Uli Hoe­neß ir­ri­tiert. Ich habe mir di­rekt nach der Dia­gnose aus­ge­rech­net, wie lange es un­ge­fähr dau­ern wird, bis ich zu­rück sein kann. Mir war so­fort klar: Die Zeit reicht, um vor der EM voll zu ge­ne­sen“, sagt Süle: „Ich habe die­ses Ziel ge­braucht, den An­reiz, noch wäh­rend der Sai­son für Bay­ern zu spie­len und zur EM zu fah­ren. Des­we­gen hat mich die Aus­sage von Uli Hoe­neß auch über­rascht.“

Bei der EM wird Süle, der unter Joa­chim Löw (60) auch zum Ab­wehr­boss im Na­tio­nal­team auf­stieg, drin­gend ge­braucht. Beide hiel­ten wäh­rend der Ver­let­zung re­gel­mä­ßig Kon­takt. Wie schon zuvor beim ver­letz­ten An­to­nio Rü­di­ger (26/FC Chel­sea), der in­zwi­schen zu­rück­ge­kehrt ist, er­kun­digte sich der Bun­des­trai­ner auch bei Süle re­gel­mä­ßig nach des­sen Fit­ness­zu­stand. Ein wei­te­res deut­lich In­diz, dass Löw weder mit einem Co­me­back von Jérôme Boa­teng noch von Mats Hum­mels plant.

„Ich habe ei­nige Male mit Jogi Löw te­le­fo­niert, wir waren im ste­ti­gen Aus­tausch“, sagt Süle: „Die gan­zen Ge­rüchte über Spie­ler, die viel­leicht zu­rück­keh­ren müs­sen oder Ähn­li­ches, das in­ter­es­siert mich nicht. Ich habe nur das Ziel, dass mein Knie ein­hun­dert­pro­zen­tig wie­der­her­ge­stellt ist.“

Ak­tu­ell liegt Süle voll im Plan. Nach sei­nem ers­ten Kreuz­ban­driss dau­erte es 203 Tage, bis er wie­der ein Spiel ab­sol­vier­te. Al­ler­dings war da­mals in Hof­fen­heim ab­ge­spro­chen, dass es Süle lang­sam an­ge­hen lässt, nach der Ver­let­zung bei der TSG Ende der Hin­runde 2014 sollte er erst wie­der in der neuen Sai­son ein­ge­setzt wer­den. Am nächs­ten Sams­tag, wenn die Bay­ern bei Süles Ex-Ver­ein Hof­fen­heim an­tre­ten, ist seine neue Ver­let­zung genau 133­Tage her. Vom Tag der Ver­let­zung bis zum EM-Er­öff­nungs­spiel am 12. Juni hätte Süle sogar 237 Tage. Doch der Ver­tei­di­ger will frü­her zu­rück­keh­ren.

„Mir ist wich­tig, dass ich vor der EM meine Spiele be­kom­me“, sagt Süle: „Das Ziel wäre es, im April zur Mann­schaft zu sto­ßen. Dann weiß ich, dass es noch etwas dau­ert, bis ich mich an den Spiel­be­trieb ge­wöhnt habe. Mann­schafts­trai­ning be­deu­tet nicht spiel­be­reit.“ Bei der EM will er nur star­ten, wenn er top­fit ist: „Und daran habe ich ak­tu­ell kei­nen Zwei­fel.“

Auch wenn Uli Hoe­neß im Ok­to­ber nicht daran glau­ben wollte. 

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