Super-Schnäppchen Gnabry

Autor : Tobias Altschäffl, Christian Falk | 16.10.2019

Er hat einen klaren Karriereplan, wollte immer zu Bayern. Dafür nahm er Umwege in Kauf. In München ist er in dieser Saison in der Weltklasse angekommen.

Leroy Sané (23) wäre dem FC Bay­ern eine Re­kord­summe von über 100 Mil­lio­nen Euro Ab­löse wert ge­we­sen. Ein Münch­ner spielt in­zwi­schen auf dem glei­chen Top-Ni­veau wie der Profi von Man­che­s­ter City, ihn bekam Bay­ern al­ler­dings zum Schnäpp­chen­preis: Serge Gna­bry (24) ist der neue Su­per­star der Liga und für den Re­kord­meis­ter so wert­voll wie ein 100-Mil­lio­nen-Mann! Und damit wird er im Titelkampf immer wich­ti­ger!

„Es wer­den heute sehr hohe Ab­lö­se­sum­men ge­zahlt, klar. Für mich hat mein Weg super funk­tio­nier­t“, sagt Gna­bry SPORT BILD. „Ich wollte mich Schritt für Schritt ver­bes­sern, um am Ende bei einem Ver­ein wie dem FC Bay­ern Leis­tungs­trä­ger zu wer­den.“

SPORT BILD ent­hüllt, wie Gna­bry zum Su­per-Schnäpp­chen für die Bay­ern wur­de. Es waren ver­bit­terte Wor­te, die Ar­sène Wen­ger (69) ver­gan­gene Woche aussprach. Der El­säs­ser war beim FC Ar­se­nal ab 2015 der Trai­ner von Gna­bry. In Eng­land wird dem Lon­do­ner Ex-Coach vor­ge­wor­fen, das Ta­lent des Spie­lers nicht er­kannt zu ha­ben.

Wen­ger rich­tete nun Vor­würfe Rich­tung Mün­chen. „Ich den­ke, dass der FC Bay­ern hin­ter den Ku­lis­sen die Si­tua­tion ma­ni­pu­liert und dafür ge­sorgt hat, dass Serge Gna­bry zu Wer­der Bre­men wech­sel­t“, er­klärte Wen­ger. Seine Theo­rie lau­tet, „dass es be­reits eine Ver­ein­ba­rung gab, als er (Gna­bry) zu Bre­men ging, dass er sich eines Tages dem FC Bay­ern an­schlie­ßen wür­de“. Was ist dran an den Wen­ger-Vor­wür­fen?

[…] ver­bes­sern, um am Ende bei einem Ver­ein wie dem FC Bay­ern Leis­tungs­trä­ger zu wer­den.

Das In­ter­esse der Münch­ner Ver­ant­wort­li­chen flammte erst­mals wäh­rend Olym­pia 2016 auf. Vor­stands­boss Karl-Heinz Rum­me­nigge (64) machte sich für eine Ver­pflich­tung von Gna­bry stark, nach­dem er ihn im TV beim Spiel Deutsch­land gegen Fi­dschi (10:0) ge­se­hen hat­te. Gna­bry er­zielte in die­ser Par­tie seine Tur­nier­tore vier und fünf. Rum­me­nigge rief dar­auf­hin sei­nen da­ma­li­gen Ka­der­pla­ner Mi­chael Reschke (62), heute Schal­ke, an. Rum­me­nig­ges Auf­trag: Der Spie­ler soll ver­pflich­tet wer­den!

Nach SPORT BILD-In­for­ma­tio­nen ent­stand der Plan, Gna­bry über eine Zwi­schen­sta­tion zu ho­len. Zu dem Zeit­punkt kam Bre­men ins Spiel. Wer­der war eben­falls an dem Ar­se­nal-Profi in­ter­es­siert. Eine Win-win-­win-Si­tua­tion: Wer­der kriegt sei­nen Wunsch­spie­ler, der dort noch ein Jahr in Ruhe rei­fen kann. Zudem würde Ar­se­nal, wo Gna­bry sei­nen Ver­trag nicht ver­län­gern woll­te, von Wer­der we­ni­ger Ab­lö­se­summe ver­lan­gen als von einem Top­klub wie Bay­ern.

Bre­men holte Gna­bry 2016 für sechs Mil­lio­nen. Da sol­len die Münch­ner aber schon eine Ver­ein­ba­rung mit Bre­men ge­habt ha­ben, den Spie­ler 2017 für sie­ben Mil­lio­nen Euro zu ver­pflich­ten. Wer­ders Sport-Ge­schäfts­füh­rer Frank Bau­mann (43) sowie der Vor­sit­zende der Ge­schäfts­füh­rung, Klaus Fil­bry (52), sol­len den Deal mit den Münch­nern ein­ge­fä­delt ha­ben. „Ich finde es sehr cle­ver und krea­tiv, was Frank Bau­mann hin­be­kom­men hat“, er­klärte Wer­ders Ma­na­ger-Le­gende Willi Lemke da­mals.

Somit hatte Wer­der für ein Jahr sei­nen Wunsch­spie­ler be­kom­men und 2017 beim Wei­ter­trans­fer nach Mün­chen noch eine Mil­lion Euro Ge­winn ge­macht. Das Geld wie­derum kas­sierte Bay­ern so­fort wie­der als Leih­ge­bühr von Hof­fen­heim, weil Gna­bry dort­hin für eine Sai­son aus­ge­lie­hen wur­de.

Schritt nach München wäre zu groß gewesen. Die Entscheidung Bremen war damals goldrichtig für mich.

Bre­mens Bau­mann de­men­tierte eine Ver­ein­ba­rung, bleibt auf Nach­frage von SPORT BILD auch heute bei sei­ner Dar­stel­lung. Die Bay­ern woll­ten sich auf SPORT BILD-Nach­frage nicht äu­ßern.

Im Nach­hin­ein haben Gna­bry UND Bay­ern vom Umweg des Spie­lers pro­fi­tiert. „Die Ent­schei­dung Bre­men war da­mals gold­rich­tig für mich“, sagt Gna­bry zu sei­nem Bre­men-Wech­sel 2016. Und dann ver­rät der Pro­fi: „Ich wuss­te, dass Bay­ern auch In­ter­esse hat­te. Aber der Schritt nach Mün­chen wäre zu groß ge­we­sen. Mein Ziel war es den­noch im­mer, das ein­mal zu schaf­fen.“

Mit der di­rek­ten Wei­ter­leihe nach Hof­fen­heim 2017 er­folgte der nächste Ent­wick­lungs­schritt. Gna­bry sagt: „Nach mei­nem Tref­fen mit Ju­lian Na­gels­mann wollte ich als nächste Sta­tion in mei­ner Kar­riere Hof­fen­heim. Es gab an­dere An­ge­bo­te, aber dort konnte ich mich am bes­ten ent­wi­ckeln.“

Der Stür­mer reifte wei­ter, machte 10 Tore in 22 Liga-Spie­len und kam schließ­lich im Som­mer 2018 wie ge­plant nach Mün­chen.

Dort geht der Weg wei­ter steil nach oben. Ver­gan­gene Sai­son er­zielte er in 42 Spie­len 13 Tore und be­rei­tete 9 Tref­fer vor. Ak­tu­ell kommt Gna­bry in neun Sai­son­spie­len auf 11 Sco­rer­punkte (6 Tore, 5 Vor­la­gen), wobei sein Vier-Tore-Spiel in Tot­ten­ham her­aus­ragt. Für die Na­tio­nalelf er­zielte er zu­letzt beim 2:2 gegen Ar­gen­ti­nien einen Tref­fer und be­rei­tete ein Tor vor. Beim 3:0 in Est­land fehlte er wegen mus­ku­lä­rer Pro­ble­me.

Auch neben dem Platz über­nimmt er in­zwi­schen Ver­ant­wor­tung. „Serge spielt bei der Ent­wick­lung des neuen Mann­schafts­geis­tes eine wich­tige Rol­le“, sagt DFB-Ma­na­ger Oli­ver Bier­hoff: „Er geht mit sei­ner po­si­ti­ven Art vor­an.“ Bier­hoff wei­ter: „Ich kann mich er­in­nern, wie ich vor Jah­ren bei ihm in Lon­don war. Serge hat eine tolle Ent­wick­lung ge­nom­men.“

Der Kar­rie­re­plan zahlt sich aus. Für Gna­bry, den DFB und den FC Bay­ern.

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