Thomas Müller: „Ich sitze nicht mit einem Grinsen auf der Bank“
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Thomas Müller: „Ich sitze nicht mit einem Grinsen auf der Bank“ Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Thomas Müller: „Ich sitze nicht mit einem Grinsen auf der Bank“

Der Weltmeister bezieht Stellung zu allen Fragen

Sport Bild: Herr Müller, Sie trafen in der Hinrunde nur einmal in der Bundesliga: Wie sehr haben Sie sich in der Winterpause mit Ihrer Torquote beschäftigt?

Thomas Müller (27): Ich bin im Urlaub sicher nicht mit hängendem Kopf durch die Gegend gelaufen. Mein Selbstbewusstsein ist nicht angeknackst, denn: Ich hatte in den letzten Wochen der Hinrunde  ein gutes Gefühl, ich war schon da voller Selbstvertrauen. Davon abgesehen: Egal, ob eine Halbserie positiv oder negativ läuft – ich mache danach immer eine Analyse für mich: Was lief gut, was nicht?

Wie fiel diese Analyse nun aus, was können Sie besser machen?

Ich habe mir Fragen gestellt, zum Beispiel: Wo kann ich in der Trainingsarbeit noch mehr investieren? Es geht um Dinge wie Kraft, Schnelligkeit, Technik. Natürlich spielt da auch Zusatz-Training eine Rolle, das ich weiter absolvieren und optimieren werde. Ich werde diese Situation noch intensiver trainieren, am Abschluss feilen, damit wieder mehr Bälle sitzen.

Der von Ihrem ehemaligen Trainer Louis van Gaal geprägte Satz „Müller spielt immer“ galt zum Ende der Hinrunde jedoch nicht mehr. Wie sehr ärgert Sie das? 

Das letzte Spiel gegen Leipzig ist für mich persönlich nicht optimal gelaufen, da ich nicht gespielt habe. Da gab es mehr Räume als in den Spielen zuvor. Das war eine Partie, in der ich Spaß hätte haben können. Natürlich sitze ich da nicht mit einem Grinsen auf der Bank.

Im Laufe der Rückrunde – und somit in den wichtigsten Spielen der Saison – drohen weitere Härtefälle. Für Sie genauso wie für andere Stars…

Es werden die Situationen kommen, in denen Spieler in großen, wichtigen Partien draußen sitzen.  Aber damit müssen wir als Team umgehen. Der Teamgeist ist elementar, da muss jeder das eigene Ego hintanstellen. Das gilt für mich genauso wie für jeden anderen.

Nach dem Ausfall von Thiago, der sich in Doha eine Muskelverletzung zuzog, scheinen Sie zum Rückrundenstart im Zentrum hinter Robert Lewandowski gesetzt. Lothar Matthäus stellte in seiner SPORT BILD-Kolumne die These auf, dass es in Ancelottis 4-2-3-1 eigentlich keine richtige Position für Sie gibt.

Das kann man unterschiedlich interpretieren. Eigentlich hatte ich in diesem System immer die Position hinter der Spitze. Es gefällt mir auch nicht, wenn ich als Stürmer bezeichnet werde, so sehe ich mich eigentlich nicht. Ich bewege mich gerne dahinter zwischen den Linien in den Schnittstellen des gegnerischen Mittelfeldes. Da, wo es dem Gegner wehtut. 

Welche Positions-Bezeichnung würden Sie sich dann geben?

Ich bin eine Mischung aus Mittelfeldspieler und Stürmer. Am liebsten wäre mir, wenn meine Bezeichnung bald wieder Torjäger ist (lacht).

Können Sie die Fragen zu Ihrer persönlichen Treffer-Bilanz überhaupt noch hören?

Ein Fußballspiel wird natürlich oft sehr eindimensional analysiert. Wer ein Tor schießt, der hat gut gespielt – und umgekehrt. Dem muss ich mich vor allem als Offensivspieler natürlich stellen, auch wenn ich dazu eine andere Meinung habe.

Sie sind ein sehr kommunikativer Typ, für die Stimmung im Team hauptverantwortlich. Präsident Uli Hoeneß hat in SPORT BILD gefordert, dass in der Kabine Deutsch gesprochen werden muss. Wie finden Sie das?

Damit hat unser Präsident absolut recht. Es gibt natürlich heute viel mehr ausländische Spieler als früher. Nur wenn du die Sprache beherrschst, kannst du diesen Klub verstehen und dich mit ihm identifizieren.

Fehlt diese Identifikation aktuell bei Spielern?

Es ist nicht so, dass bei uns kein Deutsch gesprochen wird. Die Spieler, die schon einige Jahre bei uns sind, können sich gut verständigen. Man muss auch die Persönlichkeit haben, sich zu trauen, die fremde Sprache zu sprechen. Wir haben einen großen Anteil an ausländischen Spielern, das sind überragende Typen. Aber natürlich tut es der Identität des Klubs gut, wenn die auch versuchen, die Sprache zu lernen.

Wie hilft das den Spielern konkret?

Nur so können sie auch in den Austausch mit den Leuten rund um den Verein kommen, mit den Medien. Das ist positiv für alle.

Zuletzt lief es zwar auf dem Platz nicht immer optimal, aber dafür daneben: Nach SPORT BILD-Informationen haben Sie Ihren Privat-Vertrag bei Ausrüster Adidas bis 2024 verlängert.

Wer mich kennt, der weiß, dass Kontinuität für mich sehr wichtig ist. Wenn etwas funktioniert, braucht man es nicht zu ändern. Ich bin sehr glücklich darüber und Adidas, denke ich, genauso.

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