Giovane Élber FC Bayern München
Der Torjäger in Aktion: Giovane Élber traf für den FC Bayern 140 mal / Quelle: Getty / All rights reserved.

Was macht eigentlich Giovane Élber?

Im 22. Teil unserer Serie „Was macht eigentlich...?“ stellen wir den ehemaligen Bayern- und Gladbach-Profi und das das „1/3-Magisches Dreieck“ vor

Bei dem Namen Giovane Élber gerät der gemeine Fußballfan in der Regel direkt ins Schwärmen und lobpreist das „magische Dreieck“ des VfB Stuttgart der 90er-Jahre. Die erste Überraschung: Der fröhliche Brasilianer mit dem breiten Grinsen aus Londrina heißt gar nicht Giovane Élber, sondern Élber de Souza. Die zweite Überraschung: Der Mittelstürmer hat mittlerweile die Fußballschuhe gegen Cowboystiefel getauscht – aber eins nach dem anderen...

Mit gerade einmal 18 Jahren wagte Élber de Souza den Sprung von Brasilien nach Europa und heuerte 1990 beim AC Milan an. Dort trainierte er nur mit und man verpasste ihm den Spitznamen „il giòvane Élber“ („der junge Élber“) und so war „Giovane Élber“ geboren. Nach einem Jahr wurde der junge Brasilianer an die Grashoppers in Zürich verliehen. Die Anfangszeit war hart für den Newcomer. Elber gestand in einem Interview der Münchener tz: „Ich wollte nach den ersten beiden Monaten schon wieder zurück.“ Ohne Internet, Handys fühlte sich der Nachwuchsspieler allein und vermisste seine Familie: „Ich habe Tag und Nacht geweint.“ Aber auf seinen Wunsch, wieder nach Hause zu kommen, ging seine Mutter nicht ein. „Sie blieb hart: ‚Nein. Du wolltest immer Fußballer werden, hast dafür deinen guten Job hier bei der Bank aufgegeben.’ Am Ende hat mich meine Mama ... überredet und ich bin 15 Jahre lang in Europa geblieben.“ Zum großen Glück für die Grashoppers, wo Élber 1994 den Pokal gewann und Torschützenkönig der Schweizer Liga wurde.

Dann zog es den Mittelstürmer weiter nach Deutschland zum VfB Stuttgart. In den drei Jahren bei den Schwaben bildete Élber mit den Teamkollegen Fredi Bobic und Krassimir Balakow das vielbejubelte „magische Dreieck“ und gewann 1997 mit seinem damaligen Coach und heutigen Bundestrainer Joachim Löw den DFB-Pokal.

Direkt danach ging’s zu den Bayern, bei denen Élber 266 Spiele bestritt und 140 Tore schoss. Mit den Münchner feierte er viele Erfolge wie den Triumph in der Champions League (2001) und beim Weltpokal, vier Deutsche Meisterschaften und drei weitere Pokalsiege. 2003 wurde Élber zum Torschützenkönig der Bundesliga gekürt, danach verließ er die Bayern Richtung Olympique Lyon, wo er sofort die französische Meisterschaft und den Supercup einheimste. Doch für den Spaßvogel lief es in Frankreich gar nicht so lustig. Zunächst war der Knipser höchst unzufrieden über die eigene Leistung, dann kam noch eine schwere Verletzung dazu - schließlich kam es zum Zerwürfnis zwischen dem Fußballer und dem Vereinsarzt sowie der Vereinsführung. Nächste Station: Borussia Mönchengladbach. Doch auch bei den Fohlen lief es nicht so rund wie gedacht. In dem einen Gladbach-Jahr kam der Angreifer nur auf vier Spiele – und das nicht nur verletzungsbedingt. So kehrte Élber mit einer Familie zurück in die Heimat Brasilien und beendete 2006 seine Karriere bei EC Cruzeiro Belo Horizonte. Neben seinen 16 Länderspielen und sieben Toren für Brasiliens Seleção kann Élber stolz auf insgesamt 412 Spiele und 200 Tore zurückblicken.

So manche Pleite musste der Sunnyboy auch neben dem Fußballplatz hinnehmen. Sein Ausflug in die Gastronomie mit der Dinnershow „Giovane Élbers Do Brazil“ in München endete in der Insolvenz – trotz der Auftritte von drei damals amtierenden Samba-Königinnen.

Viel erfolgreicher ist seit vielen Jahren das soziale Engagement des ehemaligen Torjägers in seiner Heimatstadt, wo er inzwischen lebt und „Engel von Londrina“ genannt wird. Gemeinsam mit ehemaligen Nachbarn und Seniorenkickern aus dem schwäbischen Winterbach gründete er den Verein zur Förderung brasilianischer Straßenkinder e.V. dem mittlerweile die Giovane-Elber-Stiftung angeschlossen ist. Das Ausbildungszentrum Pestalozzi, die Innenstadtschule und der Kinderhort Casa do Caminho sind Vorzeigeprojekte in Brasilien.

Nach der Profikarriere setzte sich der Familienvater in der brasilianischen Heimat den Cowboyhut auf und besitzt nun mehrere Rinderfarmen und ein Unternehmen für Rinderfutter. Den Stuttgarter Nachrichten erzählte er: „Ja, ich bin jetzt Rinderzüchter. Ich habe zwei Farmen mit 6000 Rindern. Die Farmen sind so groß wie 28.000 Fußballplätze.“

Aber auch dem Fußball ist er noch treu geblieben: Neben Einsätzen als TV-Experte in Brasiliens Fernsehen gehört Élber seit Januar 2017 gemeinsam mit Bixente Lizarazu und Hasan Salihamidzic zum ehrenwerten Kreis der Markenbotschafter des FC Bayern München. Eine große Anerkennung für verdiente Ex-Kicker, den Rekordmeister im In- und Ausland zu repräsentieren.

Bisher erschienen sind in unserer Serie „Was macht eigentlich...?“: