Aaron Hunt: „Sandhausen schockt mich nicht“
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Aaron Hunt: „Sandhausen schockt mich nicht“ Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Aaron Hunt: „Sandhausen schockt mich nicht“

Der neue Kapitän erklärt, was den HSV in der 2. Liga erwartet

Sport Bild: Herr Hunt, Sie sind der erste Zweitliga-Kapitän in der HSV-Geschichte. Ist der Klub schon bereit für die neue Liga?

Aaron Hunt(31): Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Aber ich mache mir keine Sorgen und habe auch keine schlaflosen Nächte.

Dann lassen Sie uns mal Ihr Zweitliga-Wissen testen: Wie heißt der neue Abwehrboss von Dynamo Dresden?

Das weiß ich auf Anhieb so nicht.

Dario Dumic. Und wie heißt Heidenheims Keeper?

Das kann ich auch noch nicht sagen, aber bevor Sie auflösen ...

Kevin Müller!

...kann ich Ihnen jetzt schon garantieren, dass ich zwei Wochen vor den Spielen alle Spieler kennen werde, die gegen uns auf dem Platz stehen. Und zwar mit allen Stärken und Schwächen. Wir werden uns intensiv und professionell auf jeden einzelnen Gegner vorbereiten, um böse Überraschungen zu vermeiden. 

Sie haben in Ihrer Karriere 24-mal mit Werder Bremen in der Champions League gespielt, jetzt geht es nach Sandhausen und Aue. Wie fühlt sich das an?

Das eine oder andere Auswärtsspiel wird für uns sicher eine neue Erfahrung, natürlich auch für mich. Das ist nicht mehr die ganz große Bühne, das sind teilweise deutlich kleinere Stadien. Aber uns muss es egal sein, ob wir vor 50 000 oder vor 7000 Fans spielen.

Am zweiten Spieltag müssen Sie direkt nach Sandhausen. Etwas Scheu vor den Kabinen und Duschen dort?

Nein, wir sind immer noch Fußballer und kennen jegliche Art von Kabinen aus unserer Jugend- oder Anfangszeit. Da schockt uns nichts. Meinetwegen können sie in Sandhausen auch nur eine Dusche haben, solange wir dort gewinnen.

Wir können Sie beruhigen: Es sind acht Duschen. Aber gerade für die kleinen Vereine werden die Spiele gegen den HSV zum Festtag. Jeder will sich gegen Sie beweisen!

Wir haben ja schon in der ersten Liga polarisiert. Auch da waren Spiele gegen uns etwas Besonderes. Doch jetzt wird es noch extremer werden, da haben Sie recht. Das Wichtigste, worüber wir uns klarwerden müssen, ist: Die Ausgangslage hat sich komplett umgedreht. Von uns wird jetzt verlangt, dass wir immer gewinnen. Wir müssen lernen, damit umzugehen.

Sind Sie da als Kapitän besonders gefragt?

Ja! Eine meiner Aufgaben wird sein, gerade den jungen Spielern den Druck von den Schultern zu nehmen, indem ich ihnen immer wieder sage, dass sie unbekümmert aufspielen sollen. Sie haben nichts zu verlieren. Einem Tatsuya Ito wird es vom Publikum verziehen, wenn er beim Dribbling hängenbleibt und den Ball verliert, das ist bei uns erfahrenen Spielern schon anders. Das muss ich ihnen immer wieder sagen.

Sie haben Ihren Vertrag um zwei Jahre verlängert, bekommen mit nun einer Million Euro zwei Millionen weniger als zuvor. Warum tun Sie sich die 2. Liga an?

Es ist hier, gerade auch für mich persönlich, eine riesige Herausforderung. Ich möchte den eingeschlagenen Weg mitgehen und helfen, den HSV wieder nach oben zu führen. Ich sehe mich eben auch in der Pflicht, das, was wir verbockt haben, wieder geradezurücken.

Wollen Sie sich in Hamburg einen ganz besonderen Status erarbeiten? Als Aufstiegskönig zum Beispiel?

Natürlich hat es auch viel mit Identifikation zu tun. Aber ich habe nicht verlängert, um nach dem Aufstieg auf einem Pferd und mit einer Krone durch die Stadt zu reiten. Es war mir noch nie wichtig, ob mich jemand als Star sieht oder nicht. Und ich werde mit Sicherheit nicht nach Sandhausen fahren und denken: Ich bin hier der Allergrößte! Das gehört auch nicht zu meiner Mentalität. Ich brauche so eine Anerkennung nicht.

Ihr Team bereitet sich auf die 2. Liga mit Referaten über die Gegner vor, die die Spieler dann vor den Kollegen halten müssen. Was war schwieriger: Ihr Realschulabschluss oder die Referate unter Ihrem Trainer Christian Titz?

Für mich war die Schule auf jeden Fall schwieriger, da hatte ich schon zu kämpfen. Ich habe damals schon sehr früh bei den Profis mittrainiert, spielte zudem noch in den Junioren-Nationalmannschaften und war daher viel unterwegs. Da hatte ich alles im Kopf, nur nicht die Schule. Irgendwie habe ich es dann geschafft, mit der Abschlussnote 2,7, glaube ich. Da fällt mir die Arbeit hier deutlich leichter (lacht).

Helfen Ihnen die Referate denn?

Zum einen ist es gut, dass wir uns selbst mit der Spielidee befassen. Aber vor allem unseren jungen Spielern hilft es. Für sie ist es eine neue Situation, vor der Gruppe etwas zu präsentieren. Sie werden im Grunde gezwungen, sich den Mitspielern zu öffnen. Man merkt einigen an, wie froh sie sind, wenn sie es dann geschafft haben. Aber daran wachsen sie.

Abschließend: Spielen Sie auf der Konsole eigentlich schon mit Zweitligisten, um die Gegner besser kennenzulernen?

Nein, die meisten meiner Kollegen haben an der Konsole zwar Zweitliga-Niveau, aber wir zocken aktuell eher mit den Nationalmannschaften (lacht).