Bakery Jatta will Deutscher werden

Autor : Maximilian Wessing, Nina Iwannek-Gressmann | 13.02.2019

Davon träumt der Mittelfeld-mann, der 2015 aus seiner Heimat Gambia geflüchtet ist. Bakery Jatta ist absoluter Stammspieler beim HSV, begeistert die Fans mit seinen Solos.

Es sollte ein Spaß für die Mannschaft sein, doch Bakery Jatta (20) saß nach einigen Minuten alleine im Bus. Er konnte es nicht mehr ertragen. Es war vor einigen Monaten, als sich die Spieler des HSV fürs Teambuilding zum Paintball trafen. Ein sogenanntes Baller-Spiel, bei dem man sich mit Farbkugeln gegenseitig beschießt. Viele Waffen sehen allerdings täuschend echt aus.

Jattas Mitspieler bemerkten erst am Ende, dass er nicht mehr mitspielte. Im Bus nahmen ihn viele in den Arm. 2015 war Jatta aus seiner Heimat Gambia nach Deutschland geflüchtet. Er wuchs ohne Eltern auf, die Hoffnung auf ein besseres Leben trieb ihn durch die Wüste und über das Meer zunächst nach Bremen. Seit 2016 spielt er beim HSV, inzwischen richtig gut!

Und jetzt will er Deutscher werden! Er sagt gegenüber SPORT BILD: „Ich wurde mit offenen Armen empfangen, und ich spüre sehr große Zuneigung. Wenn sich die Möglichkeit ergeben würde, Deutscher zu werden, würde ich sie gerne ergreifen.“

Laut Fifa-Statuten ist das möglich, wenn ein Spieler seit seinem 18. Lebensjahr „mindestens fünf Jahre ununterbrochen auf dem Gebiet des betreffenden Verbands wohnhaft“ ist. Bei Jatta sind es erst zweieinhalb Jahre.

Bakery ist wahnsinnig fleißig und athletisch. […] Aber da geht noch mehr. Wir sind noch nicht fertig mit ihm!

HSV-Trainer Hannes Wolf

Was ihm helfen kann: Sollte die U 21 (oder die A-Mannschaft) Deutschlands Interesse an ihm zeigen, würde das Innenministerium den Prozess beschleunigen. Bislang hat sich vom DFB noch keiner bei Jatta gemeldet, seine starken Leistungen dürften aber U-21-Trainer Stefan Kuntz (56) nicht verborgen bleiben. Deutsch spricht Jatta mittlerweile sehr gut. Hinzu kommt: Für sein Heimatland darf er nicht auflaufen, da er in Gambia in seiner Akte den Status „Flüchtling“ hat – und deshalb gar nicht nominiert werden darf.

Erst kürzlich verlängerte er seinen Vertrag in Hamburg bis 2024. Trainer Hannes Wolf (37): „Bakery ist wahnsinnig fleißig und athletisch. Man merkt, dass er jetzt das Selbstbewusstsein hat. Aber da geht noch mehr. Wir sind noch nicht fertig mit ihm!“ 

Jatta soll in Zukunft auch individuelles Training erhalten, der HSV möchte den Rechtsfuß zu einem beidfüßigen Spieler ausbilden, zudem an seinem Torabschluss arbeiten. Um seine enorme Schnelligkeit noch effektiver zu nutzen. Jatta ist mit einem Top-Speed von 35 km/h der Schnellste im HSV-Kader. „Im Training sagen meine Mitspieler immer: ‚Nicht so schnell, Baka!‘ Sie müssen dann lachen, wenn ich ihnen weglaufe. Wenn wir allerdings ein Spiel haben, sagen sie dann immer: ‚Baka, lauf ihnen weg!‘“

Das macht Jatta mit größtem Vergnügen.

Diese Website verwendet Cookies. Indem Sie die Website und ihre Angebote nutzen und weiter navigieren, akzeptieren Sie diese Cookies. Änderungen können Sie in ihren Browsereinstellungen vornehmen. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite Datenschutz & Cookies
Weiter