Der neue HSV Hecking: So läuft der Umbruch

Autor : Maximilian Wessing | 10.07.2019

Den bislang wichtigsten Transfer machte der HSV im Wohnzimmer des Trainers perfekt. Dieter Hecking (54) lud Sonny Kittel (26) sowie dessen Berater und Freundin zu sich nach Hause nach Bad Nenndorf (30 Kilometer von Hannover entfernt) ein – und überzeugte den Offensiv-Mann dort vom Wechsel nach Hamburg.

Es war vom ersten Satz an ein gutes Gespräch. Er hat mich direkt gepackt,

sagt Kittel. Nachdem er sich die Angebote weiterer Vereine angehört hatte – etwa in England von Norwich City – rief er einige Tage später abends bei Hecking an: Ich mach’s!

Kittel ist eine der Säulen in der fast komplett neuen Mannschaft, die Hecking zum Aufstieg führen soll. HSV-Boss Bernd Hoffmann (56) sagt: „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir aus sportlicher Sicht jeden Stein umdrehen müssen. Das haben wir konsequent getan.“

Aus der Startelf vom ersten und letzten Spieltag der vergangenen Saison findet sich momentan kein einziger Profi mehr in der Startformation wieder. Mit Kyriakos Papadopoulos (27) und Aaron Hunt (32) setzt Hecking nach jetzigem Stand auf nur zwei Spieler, die schon vor ihm beim HSV waren. Neun Spieler verpflichtete der Klub bereits.

Für Hecking geht es nun darum, eine Einheit zu formen. Kurz vor dem Trainingslager gab es bereits ein gemeinsames Grillen der Mannschaft mit Mitarbeitern der Geschäftsstelle. Hecking selbst will jetzt besonders neugierig sein, um von seinen Spielern ganz viel zu erfahren: Sind sie glücklich, fühlen sie sich wohl, welche Probleme haben sie? Hecking erklärt seine Neugierde:

Man weiß als Trainer nie genau, wie die ‚Geschichte dahinter’ wirklich war. Welche Faktoren eine Rolle gespielt haben. Das werde ich erfragen. Manchmal sind es ganz banale Gründe, warum ein Spieler nicht seine volle Leistung bringt. Es ist ein Unterschied, ob ein Spieler privat auf Wolke sieben schwebt oder Probleme hat.

Die Spieler selbst sollen die Vorbereitung nutzen, um sich bestmöglich abzustimmen. Die Offensivspieler etwa tauschen sich untereinander aus, wie sie den Ball gern zugespielt haben möchten.

Dieser radikale Umbruch war aus finanzieller Sicht riskant. Rund zehn Millionen Euro plante der Klub auf dem Papier für neue Spieler (Ablöse, Gehälter) ein, obwohl das Geld noch gar nicht eingenommen war. Durch den Verkauf von Douglas Santos (25) zu Zenit St. Petersburg (12 Mio. plus mögliche Prämien) ist diese Lücke nun gestopft.

Hinzu kommt: Santos gehörte beim HSV zu den absoluten Top-Verdienern, kassierte nach SPORT BILD–Informationen pro Jahr 1,2 Millionen Euro Grundgehalt. Sämtliche Zugänge verdienen jetzt zwischen 50 000 und 70 000 Euro monatlich, also zwischen 600 000 Euro und 840 000 Euro jährlich.

Der XXL-Umbruch des HSV – es war erst der Anfang. „Man braucht als Verantwortliche mehr als eine Transferperiode, um den Kader nach seinen Wünschen zu gestalten. Ohne, dass ich der jetzigen Mannschaft die Qualität absprechen möchte“, sagt Hecking.

Beim HSV brechen neue Zeiten an. 

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