Für den HSV verzichtet Fiete Arp auf 8,5 Millionen Euro
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Für den HSV verzichtet Fiete Arp auf 8,5 Millionen Euro Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Für den HSV verzichtet Fiete Arp auf 8,5 Millionen Euro

Die Akte Arp

Es war der Moment, in dem alle wussten, dass es jetzt nur noch besser werden kann. Fiete Arp (18) kam in die Kabine, stellte seinen Rucksack vor dem Spind ab und wurde dann von seinen Mitspielern in den Arm genommen. Die erfahrenen Kollegen um Kapitän Aaron Hunt (31) vorneweg.

Arp hatte kurz zuvor seinen Vertrag beim HSV bis 2020 verlängert, was für riesige Freude im Verein sorgte. Und das Sturm-Juwel völlig befreite. Auch wenn es für Arp eine total unrentable Entscheidung war, nicht direkt zum FC Bayern zu wechseln. Dort hätte er einen Vierjahresvertrag unterschreiben können und jährlich fünf Millionen Euro kassiert. Beim HSV verdient er nur 7,2 Prozent davon.

Arp erhält ein Grundgehalt von 360 000 Euro. Mit Prämien kann er immerhin auf mehr als 400 000 kommen. Bei einem möglichen Aufstieg würde sich sein Gehalt auf eine Mio. Euro erhöhen.

Doch Geld spielte beim Publikumsliebling am Ende überhaupt keine Rolle mehr. Er versuchte nicht einmal, das vergleichsweise kleine Gehalt nach oben zu verhandeln. Einziges Ziel war: raus aus dem mentalen Tief, in dem er sich befand.

„Man muss sich einfach mal vor Augen halten, dass Fiete erst 18 Jahre ist“, sagt Mittelfeldspieler Christoph Moritz (28).  Er könnte noch ein Jahr in der A-Junioren-Mannschaft spielen. Moritz: „Was auf ihn in den vergangenen Monaten eingeprasselt ist, kann man sich als Nicht-Fußballer gar nicht vorstellen.“

DIE AKTE ARP!

Die Form-Krise begann schon in der Hinrunde, als Arp zweimal zu früh wieder mit dem Training begann und deshalb eine Erkältung verschleppte. Hinzu kam der Schul-Stress, da Arp nebenbei sein Abitur machte. Weil er wegen des Fußballs zu sehr eingespannt war, musste er einige Klausuren allein nachschreiben – im Zimmer der Schuldirektorin.

Und immer die Frage im Hinterkopf: Wo spiele ich in der kommenden Saison überhaupt? Es kam zu Unstimmigkeiten mit seinem Vater, der bis zum Ende auf einen sofortigen Wechsel zum FC Bayern pochte. Der Rekordmeister bot Arp nach SPORT  BILD-Informationen an, ihn nach der Verpflichtung an Hoffenheim auszuleihen, damit er dort Spielzeit bekommt.

Arp beharrte jedoch auf seinem Plan: Er unterschreibe den Vertrag nur dann, wenn er direkt zwei Jahre zurück an den HSV ausgeliehen werde. Weil er sich nicht mit dem Abstieg von seinem Jugend-Verein verabschieden wollte. Das wiederum lehnten die Münchner ab. Arp reiste dann zu einem finalen Gespräch mit Sport-Vorstand Ralf Becker (47) zum Rekordmeister und teilte den Verantwortlichen selbst mit, dass er seinen Vertrag beim HSV bis 2020 verlängern werde ohne Ausstiegsklausel. Es besteht nun die mündliche Absprache, dass Arp danach zum FC Bayern kommt. 

Es dauerte nun einige Wochen, bis der siebenfache Torschütze der U-17-EM wieder in Tritt kam. Im Training klappten über Wochen einfachste Dinge nicht. Die Automatismen – wie etwa bei der Ballannahme – waren weg. Drei Spiele musste Arp zuletzt in der U 21 absolvieren (drei Treffer), ehe er nun in den Profi-Kader zurückkehrte – ausgerechnet im Testspiel gegen die Bayern (1:4) am Mittwoch vergangener Woche.

Auch der Trainer-Stab bemerkte natürlich das erste Tief von Arp, dessen Karriere bis dahin nur aufwärts ging, seit er als Zehnjähriger zum HSV gewechselt war. Trainer Titz entschied deshalb vor Wochen, Arp im Training nicht mehr zu kritisieren. Misslang eine Aktion von ihm auf dem Platz, wurde, anders als bei den Mitspielern, kommentarlos weitergespielt.

Der Stürmer suchte zudem immer wieder selbst das Gespräch mit den Verantwortlichen. Mit Sport-Vorstand Becker etwa unterhielt er sich auch viel über Privates, z.B. über seinen Auszug aus dem HSV-Nachwuchs-Leistungszentrum und den Einzug in seine erste eigene Wohnung im Hamburger Stadtteil Hoheluft.

Mit Titz ging es eher um sportliche Themen. Sein Trainer, der ihn schon in der Jugend trainierte, sicherte ihm zu, dass er ihm alle Zeit der Welt einräumen werde, um wieder vollständig fit zu werden. Und – viel wichtiger für Arp: Titz sagte ihm, dass er spielerisch sein bester Stürmer sei und zum Einsatz kommen werde, wenn er in den alten Rhythmus zurückfinde.

Teamkollege Moritz: „Fiete hat es absolut geschafft, auf dem Boden zu bleiben. Es haben so viele Leute an ihm gezerrt, was man logischerweise das eine oder andere Mal auch im Training gemerkt hat. Ich ziehe den Hut vor ihm, wie er das alles weggesteckt hat.“ Und jetzt will Fiete Arp durchstarten.