Heckings Kampf gegen das HSV-Syndrom

Autor : Maximilian Wessing | 31.07.2019

Egal, mit wem man in Hamburg nach dem 1:1 gegen Darmstadt spricht – ein Name wird positiv erwähnt: Dieter Hecking (54).

Der neue Trainer ist der große Hoffnungsträger, dem man zutraut, das HSV-Syndrom in den Griff zu bekommen. Dass bei Misserfolg Unruhe entsteht  und die Mannschaft auseinanderbricht. Wie zuletzt in der Rückrunde der vergangenen Saison (19 Punkte aus 17 Spielen, Rückrundenplatz 15). Hecking genießt einen Bonus, der auch erklärt, warum nach dem Darmstadt-Remis die Freude über den Hunt-Ausgleich in der 90. + 8. Minute die Enttäuschung über den verpassten Heimsieg überlagerte.

Heckings Art und Maßnahmen kommen an. In der Vorbereitung auf die neue Saison organisierte er zusammen mit dem neuen Sportvorstand Jonas Boldt (37) einen Grillabend und hielt dabei eine Rede. Mit dabei: die gesamte Geschäftsstelle sowie ausgewählte Fans. Hecking betonte, dass es in dem Verein nur mit Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft funktioniere.

Vor dem Auftaktspiel gegen Darmstadt (1:1) trommelte er dann noch einmal seine Mannschaft zusammen – mit einer klaren Botschaft. Er sagte seinen Spielern:

Wenn der Druck groß ist, könnt ihr euch sicher sein, dass ich vor euch stehe!

In der Mannschaft kam das sehr gut an. Adrian Fein (20), Leihgabe vom FC Bayern, sagt: „Wir haben einen Trainer, der uns den Druck nimmt. Er kann die Mannschaft in Schutz nehmen, weil er schon eine so erfolgreiche Karriere hingelegt hat.“

Das war vor allem in der Rückrunde anders. Die Mannschaft war wie gelähmt. Genau dieses Problem will Hecking in den Griff bekommen. Er sagt: „Es ist meine Aufgabe, Druck von der Mannschaft wegzuhalten.“

Eine weitere Methode von ihm: Er überlässt den Spielern möglichst viel Entscheidungsfreiheit, will sie nicht in ein Korsett pressen. Beispiel: Unter Ex-Trainer Hannes Wolf (38) musste das Team teilweise zwei Stunden vor Trainingsauftakt am Stadion sein, der Tag begann mit durchgetaktetem Programm. Bei Hecking ist es anders: Die Profis müssen erst 45 Minuten vor Trainingsstart in der Kabine sein. Ob sie zu Hause oder am Stadion frühstücken, ist ihnen selbst überlassen.

„Wir haben Väter, die gerne mit ihrer Familie den Morgen verbringen wollen. Bei ihnen verlasse ich mich darauf, dass sie nicht mit leerem Magen auf dem Platz stehen.“ Ebenso dürfen die Spieler selbst entscheiden, ob sie vor dem Training noch eine Behandlung benötigen. In diesen Fällen müssen sie selbst einschätzen, wie viel früher sie im Stadion sein müssen. Hecking:

Ohne Vertrauen geht es nicht, darauf basiert alles. Die Spieler müssen uns vertrauen, dass wir fachlich gut sind. Wir müssen ihnen vertrauen, dass sie sich professionell verhalten und unsere Vorstellungen umsetzen.

Diese offene Art von Hecking half dem HSV bereits bei den Transfers diesen Sommer, zuletzt auch bei Xavier Amaechi (18), der für 2,5 Mio. Euro vom FC Arsenal aus London kam und als riesiges Talent gilt. Nachdem Sportdirektor Michael Mutzel (39) den Transfer auf den Weg gebracht hatte und sich mit dem Flügelspieler einig war, stellte sich Arsenal zunächst quer.

Amaechi lief in London Gefahr, die Nerven zu verlieren. Hecking rief Amaechi selbst an. Er sagte ihm, dass er ruhig bleiben solle und der HSV sich um alles kümmern werde. Wenige Tage später war der Deal perfekt.

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