Der HSV spart schon für die Bundesliga

Autor : Maximilian Wessing | 30.10.2019

20 Mitarbeiter wurden von der Gehaltsliste gestrichen, zudem naht der Abgang von Papadopoulos und Kapitän Hunt

Sollte der Ham­bur­ger SV den Auf­stieg in die­ser Sai­son schaf­fen, würde wohl ein Fall ein­tre­ten, den es seit 14 Jah­ren im Volks­park nicht mehr gab: dass die drei wich­tigs­ten Per­so­nen im Ver­ein (Trai­ner, Sport­di­rek­tor bzw. Sport­vor­stand und Vor­stands­boss) eine ge­samte Sai­son im Amt sind und die nach­fol­gende Spiel­zeit ge­mein­sam an­tre­ten. Zu­letzt war das 2005/ 2006 der Fall: mit Trai­ner Tho­mas Doll (53), Sport­di­rek­tor Diet­mar Bei­ers­dor­fer (55) und Vor­stands­chef Bernd Hoff­mann (56). Hoff­mann ist mitt­ler­weile wie­der im Amt, ge­mein­sam mit Trai­ner Die­ter Hecking (55) und Sport­vor­stand Jonas Boldt (37), die er selbst ver­pflich­te­te.

Es war beim HSV eine sehr emotionale Zeit mit Höhen und Tiefen. Es ist na­tür­lich scha­de, wenn mir die Mög­lich­keit, auf dem Platz zu ste­hen, nicht ge­ge­ben wird.

Kyriakos Papadopoulos

Die Bosse sind be­müht, end­lich für Kon­ti­nui­tät zu sor­gen. Und den HSV auf ge­sunde Beine zu stel­len. Der Klub spart be­reits für die Bundes­li­ga. Spä­tes­tens nach dem 6:2 gegen Stutt­gart hat kaum einer mehr Zweifel am Auf­stieg.

Das ak­tu­ellste The­ma: Innenvertei­di­ger Ky­ria­kos Pa­pa­d­o­poulos (27), der jähr­lich rund 2,2 Mio. Euro plus Prä­mien kassiert. Hecking hat ihn in die zweite Mann­schaft ab­ge­s­choben, der Ver­trag des Griechen läuft bis zum Sai­son­en­de. Die der­zeit wahr­scheinlichste Variante: Papadopoulos ver­lässt den Ver­ein im Win­ter. Der HSV wäre be­reit, Teile sei­nes Ge­halts bis zum Som­mer weiter­zu­zah­len, um ihm einen früh­zei­ti­gen Weg­gang schmack­hafter zu ma­chen. Hauptsa­che, das XXL ist von der Lis­te.

Pa­pa­d­o­pou­los selbst sagt zu SPORT BILD „Ich möchte na­tür­lich auf mög­lichst hohem Ni­veau spie­len und meine Qua­li­tä­ten zei­gen, des­we­gen ist eine Ver­än­de­rung lo­gi­scherweise eine Option, aber kein Muss.“ Und wei­ter: „Es war beim HSV eine sehr emo­tio­nale Zeit mit Höhen und Tie­fen. Ich habe immer alles für den Ver­ein ge­ge­ben und mich zu 100 Pro­zent mit dem Klub iden­ti­fi­ziert. Ich bin je­mand, der auf dem Platz immer das Ma­xi­male her­aus­ho­len will. Es ist na­tür­lich scha­de, wenn mir die Mög­lich­keit, auf dem Platz zu ste­hen, nicht ge­ge­ben wird, um der Mann­schaft mit mei­nen Qua­li­tä­ten zu hel­fen.“

…habe immer alles für den Ver­ein ge­ge­ben und mich zu 100 Pro­zent mit dem Klub iden­ti­fi­ziert.

Kyriakos Papadopoulos

Ähn­lich dürfte es bei Ka­pi­tän Aaron Hunt (33) ver­lau­fen. Der Ver­trag des Mit­tel­feld­spie­lers läuft nach Sai­son­ende aus. Nach jet­zi­gem Stand ist nicht ge­plant, den Ver­trag zu ver­län­gern. Die end­gül­tige Ent­schei­dung soll im Früh­ling fal­len. Hunt hat beim HSV einen Anschluss­ver­trag, er soll als Trainer oder Scout ein­ge­bun­den wer­den. Der Of­fen­siv-Mann verdient der­zeit in der 2. Liga mehr als eine Mil­lion Euro, ein weiterer Groß­ver­die­ner wäre damit von der Ge­halts­lis­te.

Stich­wort Ge­halts­lis­te: Die Ver­ant­wort­li­chen haben in den ver­gangenen Mo­na­ten einen rigoro­sen Kahl­schlag gemacht. Gleich 20 Mit­ar­bei­ter konn­ten von der Ge­halts­liste ge­stri­chen wer­den, teil­weise mit einer saf­ti­gen Ab­fin­dung ver­bun­den. Das ging vom Di­rek­tor Sport Bern­hard Pe­ters (59/Jah­res­ge­halt rund 400 000 Euro) über Re­serve-Trai­ner Stef­fen Weiss (31/Jah­res­ge­halt rund 60 000) bis hin zu Mit­ar­bei­tern im Mar­ke­ting. Insge­samt spa­ren die Ham­bur­ger durch die auf­ge­lös­ten Ver­träge Ge­häl­ter von rund zwei Mil­lio­nen Euro pro Jahr.

Noch vor einem Jahr musste Hamburg vier Trainer bezahlen

 

Hinzu kommt: Der Ver­trag mit Ex-Trai­ner Han­nes Wolf (38) läuft nach die­ser Sai­son aus, auch er muss dann nicht mehr be­zahlt wer­den. Der HSV hat damit so wenig Alt­las­ten wie schon seit Jah­ren nicht mehr. Zum Ver­gleich: Noch vor einem Jahr be­zahlte der Klub vier Trai­ner (Gis­dol, Hol­ler­bach, Titz und Wolf) par­al­lel. Kos­ten­punkt: rund 250 000 Euro pro Mo­nat. So blei­ben nach jet­zi­gem Stand in der kom­men­den Sai­son nur zwei Trai­ner, die frei­ge­stellt sind, je­doch wei­ter be­zahlt wer­den müs­sen: Ex-Tor­wart­trai­ner Ste­fan Wäch­ter (41) und Ex-Co-Trai­ner Maik Go­eb­bels (43).

Der­zeit kal­ku­liert der Klub mit einem Mann­schaft­se­tat von 40 Mio. Euro in der Bun­des­liga (der­zeit 27 Mio. Eu­ro). Die Streich­liste könnte aber für wei­te­ren Spiel­raum sor­gen.

Diese Website verwendet Cookies. Indem Sie die Website und ihre Angebote nutzen und weiter navigieren, akzeptieren Sie diese Cookies. Änderungen können Sie in ihren Browsereinstellungen vornehmen. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite Datenschutz & Cookies
Weiter