HSV will Pyro jetzt selbst zünden

Autor : Maximilian Wessing | 13.11.2019

Der nächste Geheim-Test mit Rauchtöpfen steht an. Schon in der Rückrunde soll es beim Heimspiel eine Pyro-Show vom Klub geben

In einer Hinsicht kann der Hamburger SV froh sein, dass er derzeit nur in der 2. Liga spielt: Die DFB-Strafen für das Abbrennen von Pyrotechnik sind hier deutlich geringer als in der Bundesliga. Dennoch musste der HSV in der vergangenen Saison 294000 Euro Strafe zahlen – so viel wie kein anderer deutscher Verein! Eine Liga höher wäre es rund der doppelte Betrag gewesen. Und auch in dieser Saison zündeln die HSV-Fans munter weiter, zuletzt in Kiel (1:1).

Klar ist, dass wir einen anderen Umgang mit der Thematik brauchen als bisher

Der Tabellenzweite reagiert nun mit einer ungewöhnlichen Maßnahme: Der HSV will in Zukunft selbst Pyrotechnik in der Arena abbrennen! Obwohl die eigentlich lebensgefährlich und deshalb gesetzlich verboten ist.

SPORT BILD kennt den Pyro-Plan: Schon vor einem halben Jahr testete der Klub heimlich eine Pyro-Show mit Rauchtöpfen. Dabei waren ein Experte für Pyrotechnik, die Feuerwehr und Fans. Zwischen dem Spielfeld und dem Fanblock hinter dem Tor wurden die Töpfe gezündet, zuvor holte sich der Klub die Erlaubnis der Stadt Hamburg ein. Anfang 2020 soll der Test wiederholt werden. In der Rückrunde will der HSV dann bei einem Heimspiel – geplant ist vor Spielbeginn – erstmals zertifizierte Rauchtöpfe in Eigenregie abbrennen. Bedingung: Es läuft sportlich gut.

Da die Pyro-Technik unter Aufsicht und in einem Sicherheitsbereich abgebrannt wird, drohen dem Verein keine Sanktionen vom DFB. Mit der Fan-Szene ist dieses Vorhaben eng abgesprochen. Sie machte klar, dass auf Pyrotechnik nicht verzichtet wird, da es zur Fan-Kultur gehöre. Der HSV ist der Meinung, dass Sanktionen die Lage nur verschlimmern würden, deshalb setzt er auf Kooperation.

Die einfache Sanktionierung von Pyro-Vergehen hat bislang zu keinem besseren Umgang mit der Thematik geführt – ganz im Gegenteil.

Die Hoffnung des Klubs: dass die Ultras ihren eigenen Pyro-Einsatz zumindest verringern. Und: Dass sie darauf verzichten, Bengalos und Raketen auf das Spielfeld zu schießen. Dieses Vergehen ist nicht nur am gefährlichsten, sondern kostet den Verein auch am meisten Geld. Fliegt eine Leuchtrakete oder Ähnliches auf den Rasen wie zuletzt im September beim Derby gegen St. Pauli, kostet es den Klub laut verschärftem DFB-Strafenkatalog pro Pyro-Gegenstand 1500 Euro (1. Liga: 3000 Euro). Wird die Pyro-Technik im Block gezündet, stellt der DFB pro Gegenstand 600 Euro (1. Liga: 1000 Euro) in Rechnung.

Das Thema hat beim HSV schon länger Priorität. Vorstandsboss Bernd Hoffmann (56) sagte im Februar dem „Hamburger Abendblatt“: „Klar ist, dass wir einen anderen Umgang mit der Thematik brauchen als bisher. Die einfache Sanktionierung von Pyro-Vergehen hat bislang zu keinem besseren Umgang mit der Thematik geführt – ganz im Gegenteil.“ Nun nimmt die Diskussion richtig Fahrt auf. Und könnte zu einer Pyro-Revolution im gesamten deutschen Fußball führen.

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