Lasogga: „Ich sehe es als Pflicht, diesem Klub zu helfen“
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Lasogga: „Ich sehe es als Pflicht, diesem Klub zu helfen“ Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Lasogga: „Ich sehe es als Pflicht, diesem Klub zu helfen“

Der Stürmer spricht über seine Beziehung zum HSV

Der Stürmer traf im Topspiel gegen Köln (1:0)! Hier spricht er über seine Beziehung zum HSV, sein Rekord-Gehalt in der 2. Liga, seine Joker-Rolle unter Ex-Trainer Titz und sein Saisonziel.

Plötzlich ist er wieder da: Pierre-Michel Lasogga (26). Am Montag beim 1:0 im Topspiel gegen Köln erzielte er das Siegtor. Der HSV-Torjäger war nach England abgeschoben, als der Bundesliga-Dino zum ersten Mal abstieg. Im Sommer kam er zurück. Doch Ex-Trainer Christian -Titz (47) setzte kaum auf ihn – im Gegensatz zum neuen Coach Hannes Wolf (37).

Sport Bild: Herr Lasogga, in Hamburg waren Sie letztes Jahr unerwünscht, wurden nach England ausgeliehen. Warum sind Sie trotzdem zurückgekehrt? 

Pierre-Michel Lasogga (26): England war der richtige Schritt. Ich durfte endlich wieder regelmäßig spielen, meine Tore machen. Es war auch als Mensch eine tolle Erfahrung, mal im Ausland zu spielen. Ich bin Leeds sehr dankbar und habe die Zeit absolut positiv im Kopf. Für mich war aber früh klar, dass ich zurück zum HSV will. Ich habe nicht einfach so für fünf Jahre unterschrieben. Ich sehe es als Pflicht an, diesem Klub zu helfen. Als ich vom Sofa aus den Abstieg miterleben musste, war ich sprachlos. Das hat mich wirklich mitgenommen, auch meine Familie. Alle waren traurig, konnten es nicht glauben.

Hatten Sie nicht genug vom HSV nach dem ganzen Chaos?  

Im ersten Moment könnte man vielleicht denken, dass auch ich als Spieler von dem Chaos mal die Schnauze voll haben müsste. Aber ich sehe den Klub mit anderen Augen. Es ist ein geiler Verein mit überragenden Fans, die wirklich immer super waren. Auch in den Zeiten, in denen ich auf der Bank oder auf der Tribüne saß. Sogar in Leeds haben mich HSV-Fans besucht. Das alles tat mir wahnsinnig gut. Jetzt will ich den Leuten zusammen mit dem Team den Wiederaufstieg schenken.

„Sogar in Leeds haben mich HSV-Fans besucht. Das alles tat mir wahnsinnig gut“

Ihr Vertrag mit über 3,4 Millionen Euro Gehalt jährlich ist immer wieder ein Thema. Erhöht das den Druck für Sie?

Ich bekomme das natürlich mit, aber es hat doch keinen Sinn, da jetzt zu diskutieren. Jeder Spieler hat einen Vertrag, der so abgeschlossen wurde. Im Einvernehmen beider Seiten. Was zählt, ist jetzt auf dem Platz. Und da werde ich mich in dieser Saison für den HSV zerreißen.

Hatten Sie in der Sommerpause das Gefühl, dass man Sie in Hamburg wirklich zurückhaben will? 

Ja, ich hatte ein sehr gutes Gespräch mit Ralf Becker (HSV-Sportdirektor) und Christian Titz. Ich hatte das Gefühl, dass man wieder auf mich baut, mich wieder braucht. Die Vorfreude war riesig auf diese Saison.

Unter Titz waren Sie aber meist nur Joker, trotz zweier Doppelpacks und eines Hattricks.  

Leider hat er auf andere Stürmertypen gesetzt. Ich wollte ihn mit Toren von mir überzeugen, wollte ihm die Entscheidung so schwer wie möglich machen. Ich dachte nach meinen Toren, dass das unser gemeinsamer Dosenöffner gewesen wäre. Mein Job ist es, Tore zu schießen. Das habe ich getan. Leider hat das nicht gereicht. Ich bin ein Strafraumstürmer. Den wollte er nicht. Das hat in der 2. Liga nicht gut funktioniert. Wer weiß, mit anderen Spielern oder in einer anderen Liga hätte er mehr Erfolg mit seiner Philosophie gehabt. Da gehört ja auch immer noch etwas Glück dazu.

hamburger SV attacker pierre michel lasogga is shown in a red jersey point towards the fans after scoring a goal Lasogga nach seinem Tor beim DFB Pokalspiel gegen die TuS Erndtebrueck Quelle: / Getty Images All rights reserved.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Titz beschreiben? 

Es ist gut. Als Typ und Mensch hat er mich sehr geschätzt, wollte eben nur anders spielen lassen. So ist es im Fußball. Ich bin keiner, der dann Ärger macht. Das habe ich noch nie. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich dieses Auf und Ab mitmache. Das begleitet mich meine ganze Karriere. Am Ende konnte ich immer allen beweisen, dass ich die Tore mache und die bessere Wahl bin. Ich bin einfach froh, dass ich unter dem neuen Trainer jetzt wieder das Vertrauen bekomme. Er setzt auf mich, das tut mir gut. Das brauche ich.

„Manchmal ist ein Platz in der Startelf mehr wert als 1000 Worte“

Wie hat Hannes Wolf Sie wieder zum Ballermann gemacht?

Das ist bei mir gar nicht so schwer. Ich glaube, da funktioniere ich ziemlich einfach. Gib mir das Vertrauen, und ich werde alles dafür tun, um es dir zurückzuzahlen. Daher musste er auch gar nicht viel sagen. Manchmal ist ein Platz in der Startelf mehr wert als 1000 Worte.

Die Diskussion um einen echten Mittelstürmer gibt es seit Jahren – bis hoch zur Nationalmannschaft. Wie stehen Sie dazu?

Du brauchst von jedem Stürmertypen einen im Kader. So kannst du auf verschiedene Situationen reagieren. Solange einer von denen trifft, gibt es auch keine Diskussionen. Die kommen immer, wenn mal Flaute herrscht. Ich selbst bin natürlich dafür, auf Strafraumstürmer wie mich zu setzen.

Für Kritiker der alten Mittelstürmer sind Sie dafür zu spielschwach. Was sagen Sie dazu? 

Das höre ich immer wieder. Ganz klar: Ich werde an Toren gemessen. Die Dinger müssen rein. Dafür brauche ich die richtigen Bälle, die richtigen Flanken. Ich bin sehr abhängig von meinem Team. Aber ich würde definitiv sagen, dass ich auch gut an der Kugel bin. Mit mir kann man spielen, gut kombinieren. Ich mache die Bälle fest. Ein Dribbler, der 200 Tricks pro Spiel macht, werde ich nicht mehr. Ich arbeite Fußball, aber ich versuche schon, mich ins Spiel einzuschalten.

Wie reagieren die Verteidiger in der 2. Liga auf Sie? 

Ich habe überall meine Tore gemacht. In der 2. Liga, in der Bundesliga und auch in England. Ich merke, dass die Verteidiger dadurch Respekt vor mir haben. Ich spüre aber auch, wie hochmotiviert sie sind. Sie wollen zeigen: Der Lasogga trifft heute gegen mich nicht. Das ist doch geil! Ich liebe diese Duelle. Und schön ist in dieser Saison, dass wir natürlich viel mehr Ballbesitz haben und so auch zu mehr Chancen kommen können. Das macht es mir etwas leichter.

„Meine Mutter glaubt an 20 Tore von mir, meine Freundin sogar an 30“

Auffällig sind Ihre Torjubel, bei denen Sie ausrasten wie kaum ein anderer Stürmer in der -Liga … 

Ja, das ist pure Ekstase. Da kochen die Emotionen hoch. Das war bei mir schon immer so. Ich freue mich einfach riesig, habe da manchmal sogar einen richtigen Blackout. Wenn ich diese Szenen hinterher im Fernsehen sehe, muss ich da auch schon mal drüber lachen. Aber aufhören werde ich damit nicht. Kann ich auch gar nicht.

Mit Kölns Simon Terodde haben Sie einen harten Konkurrenten um die Torjägerkanone in der 2. Liga. Wer macht das Rennen? 

Es ist brutal erstaunlich, wie konstant er trifft. Ich verfolge intensiv, was er da macht. Das gebe ich -gerne zu. Natürlich sehe ich ihn als Konkurrenten und will ihn mithilfe meiner Teamkollegen da bis zum Saisonende noch irgendwie von der Spitze holen.

Hamburger SV attacker Pierre Michel Lasogga seconds before kicking the ball Lasogga beim 3. Tor vom HSV gegen Bielefeld. Quelle: / Getty Images All rights reserved.

Wie viele Saisontore erzielen Sie?

Meine Mutter glaubt an 20 Tore, meine Freundin sogar an 30 inklusive DFB-Pokal. Ich selbst setze mir immer als erstes Ziel, zweistellig zu treffen. Der Rest ist Bonus. Wenn aber die Zahlen, die in meiner Familie kursieren, eintreffen, wäre ich sehr glücklich.

Einer, der Ihnen dabei mit seinen Vorlagen helfen könnte, ist Fiete Arp … 

Ich freue mich über jedes Spiel, das wir gemeinsam auf dem Platz stehen. Er ist ein guter Spieler, wir verstehen uns gut. Jeder gönnt dem anderen seine Tore, und wir ergänzen uns als Spielertypen. Ich versuche als etwas älterer Spieler, ihm zu helfen in seiner Entwicklung. Zuletzt hat das gut funktioniert.

„Bei allem Ernst sollten wir alle den Spaß am Fußball nicht vergessen“

Lassen Sie uns mal träumen: Der HSV steigt auf, Sie werden Torschützenkönig. Was ist dann? Ihr Vertrag läuft nach fünf Jahren beim HSV im Sommer aus … 

Das ist eine ungewohnte Situation, aber es ist noch viel zu früh, sich darüber Gedanken zu machen. Die Saison ist noch so lang, da kann so viel passieren. Also ganz einfach: Es interessiert mich momentan nicht. Ich will die Ziele mit dem HSV auf dem Platz erreichen, erst dann geht es um Papierkram.

Sie haben sich für eine vierteilige Video-Doku (zu sehen unter lasogga.bild.de) über ein Jahr lang hautnah begleiten lassen. Welches Feedback erhalten Sie? 

Das hat mir eine Menge Spaß gemacht. Ich war natürlich etwas nervös, wie das Ganze am Ende ankommt. Ich wollte den Fans einfach mal zeigen, wie es hinter den Kulissen abläuft. Ich glaube, man hat gut gesehen, dass wir auch nur Menschen sind, die an Sachen Spaß haben, aber auch Krisen durchleben. Insgesamt erhalte ich viele positive Rückmeldungen, auch und gerade aus der Fußball--Welt. Es freut mich, dass die Leute so viel Spaß daran haben. Bei allem Ernst sollten wir alle den Spaß am Fußball nicht vergessen. Deshalb haben wir alle ja mal angefangen, und auch dafür gehen die Menschen ins Stadion. 

Text von Michael Manske und Kevin Kraft