Heribert Bruchhagen
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Heribert Bruchhagen Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Nach Bruchhagen plant auch Hunke sein HSV-Comeback

Hamburg: Zurück in die Zukunft

Von Axel Hesse

Nach Bruchhagen plant Hunke sein HSV-Comeback. Er sagt, wie er den Klub retten will: mit Liebe

In Krisenzeiten läuft HSV-Boss Heribert Bruchhagen (69) zur Höchstform auf. Der Klubboss ist nach nur einem Punkt aus sieben Spielen selbst zwar hochgradig nervös, verbreitet aber Ruhe. Selbst gegenüber Trainer Markus Gisdol (48), mit dem er jetzt per Du ist. Oder gegenüber Freunden wie Jürgen Hunke (74), mit dem er bald wohl wieder eng zusammenarbeitet bei den Hanseaten – genau wie vor 25 Jahren.

Hunke drängt zurück in den Aufsichtsrat des HSV. In dem Gremium, das im Dezember neu gewählt wird, saß er schon viele Jahre. Anfang der 90er war er bereits Präsident des Klubs und holte Bruchhagen erstmals nach Hamburg, damals als Manager. Hunke will den Verein allerdings nicht in Ruhe lassen. Er will ihn neu aufstellen. Zusammen mit Investor Klaus-Michael Kühne (80), zu dessen Kritikern er lange zählte. „Es geht nur, wenn Herr Kühne sagt: ‚Kommt, wir setzen uns an einen Tisch und retten, was zu retten ist‘“, sagt Hunke zu SPORT BILD.

Zurück in die Zukunft. Mit Hunke und Bruchhagen an der Spitze. „Es geht nur mit Liebe zum Verein“, meint Hunke. „Ich glaube, dass der HSV nur mit einem neuen Geist gerettet werden kann. Mit absoluter Offenheit, Leidenschaft, Begeisterung und Erfahrung.“

Immer wieder spricht Hunke von „retten“. Er sieht den Klub sportlich wie finanziell am Abgrund. „Es wird die schwerste Saison überhaupt“, sagt er. Derzeit steht Hamburg mal wieder auf Relegationsplatz 16. Das Spiel am Samstag bei Hertha BSC gilt als richtungweisend. „Wir wissen, dass wir Punkte brauchen“, sagt Offensiv-Spieler André Hahn (27).

Das gilt für den Trainer genauso wie für die Profis. Der gute Auftritt beim 0:1 gegen den FC Bayern spricht für Gisdol. Die Mannschaft folgt ihm. Sie hat seine Vorgabe zu 100 Prozent erfüllt. Deshalb ist es jetzt sogar möglich, dass der Trainer selbst bei einer Niederlage in Berlin noch das anschließende Spiel gegen Stuttgart bekäme.

Allerdings muss sich Gisdol dafür mehr einfallen lassen als eine gute taktische Variante, die es dem FC Bayern schwermacht. Der HSV blieb in sechs der sieben sieglosen Spiele zuletzt ohne Tor. Jetzt muss die Mannschaft wieder umschalten. Sie muss agieren. Sie muss sich Chancen erarbeiten. Sie muss Tore schießen – kann sie das?

Sollte Gisdol die Wende nicht schaffen, wüsste Hunke, welcher Trainer der richtige für den HSV wäre: Thomas Doll (51). „Er versteht etwas von Motivation. Das fehlt dem Verein“, sagt Hunke, der Doll 1990 als Spieler nach Hamburg holte und 1991 für 15 Millionen Mark an Lazio Rom verkaufte. „Er war ein toller Spieler, ist ein guter Typ und er hat viel dazugelernt.“

Was er meint: Doll war schon von 2004 bis 2007 Cheftrainer beim HSV. Damals hatte er den Klub auf Platz 18 übernommen, belebt und in die Champions League geführt. Doll war Antreiber, Innovator, Liebling der Spieler, Fans und Sponsoren. Als es abwärts ging, fehlte ihm der Durchgriff. Doll war noch jung, ein Entertainer auf der Bank. Jetzt ist er erwachsen. Dortmund, Ankara, Saudi-Arabien waren weitere Stationen. Seit knapp vier Jahren arbeitet er beim ungarischen Spitzenverein Ferencvaros Budapest. Dreimal Pokalsieger, einmal Meister. Sein Vertrag läuft bis 2019.

Anfragen, sogar aus der Bundesliga, lehnte er in den vergangenen Monaten immer ab. Seit einigen Tagen erreichen ihn Text-Nachrichten und Anrufe zum Thema HSV. „Was ist dran an den Gerüchten?“, wird er gefragt. Doll wiegelt ab. Klar ist aber: Der HSV ist sein Klub. Eine Rückkehr nach fast elf Jahren hätte für ihn einen großen Reiz.