Super-Fiete übt jeden Tag diesen Schuss
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Super-Fiete übt jeden Tag diesen Schuss Quelle: Getty / All rights reserved.

Super-Fiete übt jeden Tag diesen Schuss

Im Jugendinternat des Klubs hat er noch Spüldienst

Der Junge atmet HSV. Jeden Tag. Nur 200 Meter von der Kabine im Hamburger Volksparkstadion entfernt hat Jann-Fiete Arp (17) sein Apartment. Das Top-Talent des Vereins wohnt im Nachwuchsleistungszentrum. Aus seinem Fenster blickt der Stürmer auf die Trainingsplätze. In der Arena sorgt er jetzt bei den Profis für Furore.

Arp traf vergangenen Samstag beim 3:1 gegen Stuttgart erstmals zu Hause. In der Vorwoche hatte er beim 1:2 in Berlin sein erstes Bundesliga-Tor erzielt, als erster Spieler, der nach der Jahrtausendwende geboren wurde (6. Januar 2000). Fiete verzaubert Hamburg.

„Er ist wahnsinnig konzentriert. Und geht sehr cool mit dem Hype um“, sagt Sportdirektor Jens Todt.

Wunderkind, neuer Seeler, Heilsbringer. Der Teenager lässt sich von der Euphorie um seine Person aber wenig anmerken. Die Schulleiterin des Gymnasiums Heidberg, wo Arp im Frühjahr 2018 sein Abitur macht, hat ihn im Gespräch mit Todt gerade für sein Sozialverhalten gelobt. Zudem ist er im Unterricht ehrgeizig wie auf dem Platz. Arp ist ein Zweier-Schüler. Beliebt obendrein. In der Jugend-Akademie leistet er den Spüldienst ab wie vor seinem Bundesliga-Debüt.

Klingt alles wie ein Märchen: der große blonde Junge, den alle mögen und der den fallenden Riesen vor dem Abstieg rettet. Ein echter Norddeutscher, geboren in Bad Segeberg, ist er auch noch.

Trainer Markus Gisdol versucht zwar, seinen Jungstar langsam heranzuführen. In seinem Endspiel gegen Stuttgart brachte er den neuen Liebling allerdings erstmals von Beginn an. Bobby Wood musste auf die Bank. „Es ist schön, so ein Talent zu haben“, sagt Gisdol.

Er ist glücklich, dass er Arp hat. Als Stürmer in der Mannschaft und als Symbol für den Aufbruch. Arp ist ein echtes HSV-Gewächs. Mit fünf Jahren zum ersten Mal im Stadion, mit zehn der Wechsel in den Klub, täglich holte ihn der Vereins-Fahrdienst zum Training ab. Mit 15 Einzug ins Fußball-Internat, am 17. Geburtstag reist er erstmals mit den Profis ins Trainingslager. Dubai. Im Sommer ist er in der Vorbereitung wieder dabei. Erste Einsatzminuten, schon der Held.

Jetzt soll der Junge aber nicht verheizt werden. Diese Woche tritt der HSV auf die Bremse. Nach der U-17-WM im Oktober, bei der er fünf Tore für Deutschland erzielte, und den anschließenden Bundesliga-Einsätzen hat Arp nun Trainingsverbot. Todt: „Fiete braucht auch mal eine Pause. Er hat eine fußballfreie Woche.“

Das gab es noch nie im Leben des Hamburger Top-Talents. Im Jugend-Training war er immer der Eifrigste. Mit dem Leiter des Individual- und Schultrainings, Sebastian Schmidt, arbeitet er seit Jahren am Torabschluss mit zwei Kontakten: Ballannahme, Flachschuss ins Eck, drin. Diesen „Arp-Schluss“ übt Fiete fast jeden Tag – genau so traf er gegen Stuttgart.

Seit dem Trainingslager in Dubai war er auch vermehrt an den Gewichten. „Fiete trainiert sehr hart, er arbeitet viel im Kraftraum“, erzählt Torwart Christian Mathenia. Vor zehn Monaten war der 1,86 Meter große Nachwuchs-Stürmer für die Bundesliga-Verteidiger noch ein leichter Gegner. Mittlerweile hat Arp aber weiter an Muskelmasse zugelegt. Er lässt sich nicht mehr wegschieben.

Daraus resultiert die größte Stärke neben dem Abschluss: Arp ist am gegnerischen Strafraum mit dem Rücken zum Tor gut anspielbar. Er verteidigt den Ball, legt technisch sauber zurück oder quer, dreht sich, kommt vor dem Tor in Position. Das sind Spielanlagen, die beim HSV jahrelang nicht zu sehen waren.

Deshalb hatte Fiete bereits im Frühjahr Anfragen der ganz großen Klubs. Chelsea, Manchester City, Tottenham Hotspur, Juventus Turin waren dran. Er blieb beim Hamburger SV. Damals sagte er: „Ich bin total glücklich hier.“

Allerdings läuft der Vertrag nur bis 2019. 400 000 bis 500 000 Euro bringt ihm das pro Saison, wenn er regelmäßig bei den Profis spielt und auch Punktprämie kassiert. Hamburg ist schon wieder unter Zugzwang. 2018 verkaufen? Halten bis 2019 und notfalls ablösefrei ziehen lassen?

„Wir wollen mit ihm verlängern“, sagt Todt. „Wenn junge Spieler bei uns zum Einsatz kommen, haben wir die besten Argumente auf unserer Seite.“

Gespräche wird es vorerst aber nicht geben. Arp-Berater Jürgen Milewski, HSV-Europacup-Held von 1983, sagt: „Verlängerung? Andere Vereine? Das hat der Junge gar nicht im Kopf. Jetzt lasst Fiete einfach mal Fußball spielen ...“