Wie geht's jetzt weiter?

Autor : Robert Schreier, Berries Bossmann, Sven Westerschulze | 22.04.2020

Auf diese Nach­richt hat nicht nur die Bun­des­liga sehn­lichst ge­war­tet, auch Mil­lio­nen Fans kön­nen sich freuen – auf die Fort­set­zung der seit Mitte März wegen der Co­rona-Pan­de­mie un­ter­bro­che­nen Sai­son!

Am Mon­tag gaben die bei­den Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Armin La­schet (NRW) und Mar­kus Söder (Bay­ern) sowie Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn grü­nes Licht für Geis­ter­spiele frü­he­s­tens ab 9. Mai. „Da­mit sind viele der 36 Pro­fi­klubs wirt­schaft­lich ge­ret­tet“, sagt DFL-Chef Chris­tian Sei­fert mit Blick auf die an­nä­hernd 300 Mio. Euro, die jetzt vom TV flie­ßen.

SPORT BILD be­ant­wor­tet die wich­tigs­ten Fra­gen.

Wie sieht der Ter­min­plan für die feh­len­den neun Spiel­tage aus?

Die Sai­son 2019/20 soll in­klu­sive Re­le­ga­tion bis zum 30. Juni be­en­det sein. Ge­plant sind drei Eng­li­sche Wo­chen. Es exis­tie­ren zwei Mo­del­le: Es geht ent­we­der mit dem 26. Spiel­tag wei­ter – und dann gleich mit dem Derby BVB gegen Schal­ke. Oder zu­erst mit dem 33. Spiel­tag (u.a. Leip­zig gegen Dort­mund) und 34. Spiel­tag, um dann beim 26. Spiel­tag bis zum 32. Spiel­tag wei­terzu­ma­chen. Das hätte den Vor­teil, dass der Knal­ler zwi­schen dem BVB und Bay­ern (28. Spiel­tag) erst spä­ter statt­fin­den wür­de. Dar­über wird die Liga am Don­ners­tag dis­ku­tie­ren.

Läuft beim Neu­start ein Spiel im Free-TV?

Nicht aus­ge­schlos­sen. Das ginge aber nur mit dem Ein­ver­ständ­nis von Rechte-In­ha­ber Sky. Beim kurz­fris­tig ab­ge­sag­ten 26. Spiel­tag (13.3. bis 16.3.) sollte die Kon­fe­renz gra­tis ge­zeigt wer­den.

Wann be­gin­nen die Klubs wie­der mit dem Mann­schafts- statt Klein­grup­pen-Trai­ning?

Der 27. April soll als Ter­min für alle 36 Klubs fest­ge­legt wer­den, damit zeit­gleich wie­der unter Wett­kampf­be­din­gun­gen trai­niert wird. Fast alle Ver­eine pla­nen Trai­nings­spiele unter Geis­ter­spiel-Be­din­gun­gen im Sta­dion, damit sich die Spie­ler an die Ge­ge­ben­hei­ten ge­wöh­nen kön­nen.

Wer darf bei Geis­ter­spie­len ins Sta­dion?

Das hängt vom je­wei­li­gen Sta­dion ab und den in­di­vi­du­el­len Rah­men­be­din­gun­gen. Ein DFL-Re­chen­bei­spiel: In den In­nen­raum dür­fen u. a. nur die bei­den Mann­schaf­ten in kom­plet­ter Stär­ke, pro Team acht Trai­ner, Be­treuer sowie Ärz­te. Und vier Ball­jun­gen. Dazu 36 TV-Mit­ar­bei­ter. 113 Per­so­nen dür­fen auf die Tri­bü­nen, dar­un­ter 30 Jour­na­lis­ten und je acht De­le­ga­ti­ons­ver­tre­ter pro Klub. Macht in die­sem Fall ins­ge­samt 239 „Geis­ter“.

Wie be­rei­ten sich die Schieds­rich­ter auf die Geis­ter­spiele vor?

DFB-Schiri-Boss Lutz Mi­chael Fröh­lich sagt: „Die Schieds­rich­ter sind seit Jah­ren ge­wohnt, vor vie­len Zu­schau­ern mit lau­ter Ge­räusch­ku­lisse zu pfei­fen. Jetzt hören sie eine Steck­na­del fal­len. Es ist daher sinn­voll, sich im Vor­feld dar­auf ein­zu­stel­len, was auf sie zu­komm­t.“

Kon­kret: Die Schi­ris sol­len sich in­ten­siv mit dem bis­her ein­zi­gen Geis­ter­spiel vor der Co­rona-Un­ter­bre­chung be­fas­sen: Glad­bach gegen Köln (2:1) am 11. März, das von Deniz Ay­te­kin ge­lei­tet wur­de. „Sonst gehst du vor dem Spiel raus, saugst die Stim­mung auf, baust in dir diese Span­nung auf, diese Fo­kus­siert­heit. Alles das war na­tür­lich nicht ge­ge­ben. Es war eine ganz neue und her­aus­for­dernde Si­tua­tion“, sagt Ay­te­kin.

Um die Schi­ris vor dem Co­rona-Vi­rus zu schüt­zen, wer­den diese nicht mehr kreuz und quer durch die Re­pu­blik ge­schickt, son­dern nur in ihren ei­ge­nen Lan­des­ver­bän­den ein­ge­setzt. Aber: Ein Schiri darf kein Heim­spiel eines Klubs aus sei­nem Wohn­ort pfei­fen, Felix Brych aus Mün­chen also kein Spiel des FC Bay­ern. Dafür dürfte er z.B. in Nürn­berg pfei­fen.

Was pas­siert jetzt mit to­ben­den Trai­nern wie Frei­burgs Chris­tian Streich-flie­gen sie bei Fehl­ver­hal­ten noch auf die Tri­bü­ne?

Trai­ner-Der­wi­sche schi­cken die Schi­ris bis­lang auf die Tri­bü­ne. Das macht bei Geis­ter­spie­len aber kei­nen Sinn, von dort kön­nen sie laute Kom­man­dos ge­ben, die auf dem Platz gut zu hören sind. Wel­che Al­ter­na­tive gibt es: Ver­ban­nung in die Ka­ta­kom­ben? Fröh­lich: „Das ist eine spe­zi­elle Si­tua­tion. Ob wir eine ab­wei­chende Re­ge­lung schaf­fen, wer­den wir mit der Liga be­spre­chen.“

Wie lau­fen die Co­rona-Tests in der Liga ab?

Die Po­li­tik hat grü­nes Licht ge­ge­ben, weil das Hy­giene-Kon­zept der DFL über­zeugt. Darin u.a. ent­hal­ten: die Ab­läufe von Trai­nings­ein­hei­ten, Rei­sen zum Spielort und alles an­dere rund um die Spie­le. Also auch, wie groß der (Reise-)Tross ist und wer di­rek­ten Kon­takt zu den Spie­lern haben darf. Eine Ka­ser­nie­rung der Pro­fis bis Sai­son­ende ist nicht vor­ge­se­hen, aber: Ge­plant sind in den Ver­ei­nen alle drei bis vier Tage Tests bei Spie­lern, Trai­nern, Be­treu­ern. Fällt ein Test po­si­tiv aus, soll nur der be­trof­fene Spie­ler für zwei Wo­chen in Qua­ran­täne ge­schickt wer­den, nicht aber die ge­samte Mann­schaft, die wei­ter­hin am Spiel­be­trieb teil­neh­men kann.

Wie wol­len die Ver­eine den aus­ge­sperr­ten Fans ent­ge­gen­kom­men?

Da die Fans nicht in oder vor die Sta­dien dür­fen, über­le­gen viele Klubs, ihren An­hän­gern zu Hause mehr zu bie­ten. So wol­len etwa Her­tha BSC und der VfL Wolfs­burg wäh­rend und nach den Spie­len über ihre Ver­eins-In­ter­net­kanäle Sen­dun­gen über­tra­gen, dabei auch In­ter­views und Spiels­ze­nen an­bie­ten. Das aber müs­sen die DFL und die TV-Rechte-In­ha­ber er­lau­ben.

Wie gehen die Klubs mit den lee­ren Tri­bü­nen um?

In Glad­bach kön­nen Fans ihre Ge­sich­ter auf große Papp­lein­wände zie­hen las­sen, die dann im Sta­dion auf­ge­stellt wer­den. Auch bie­ten Agen­tu­ren große Ban­ner an, die über die Tri­bü­nen ge­zo­gen wer­den. Dem Ver­neh­men nach kos­tet das einen mitt­le­ren fünf­stel­li­gen Be­trag. In Wolfs­burg wird dis­ku­tiert, ob sich das lohnt. Dort wür­den aber keine Spon­so­ren auf­ge­zo­gen wer­den, son­dern Sprü­che und Mo­tive der Ver­eins­kam­pa­gne. Ent­schei­dend für sol­che Pla­nun­gen ist al­ler­dings, wie DFL und deren TV-Pro­duk­ti­ons­firma Sport­cast die Ka­mera-Aus­schnitte für Geis­ter­spiele wäh­len.

Her­tha BSC über­legt, die Ost­kurve im Olym­pia­sta­dion mit Cho­reo­gra­fien zu be­le­gen, an deren Her­stel­lung auch die Fans teil­ha­ben kön­nen.

Wer­den Geis­ter­spiele über die Sta­dion-Laut­spre­cher be­schallt?

Ei­nige Ver­eine über­le­gen, Fan­ge­sänge über die Laut­spre­cher ein­zu­spie­len, bei Tref­fern die Torhymne zu spie­len und den Sta­di­on­spre­cher An­sa­gen wie bei Spie­len mit Zu­schau­ern ma­chen zu las­sen. Das wird zum Bei­spiel in Leip­zig ge­prüft. Auch Her­tha be­schäf­tigt sich da­mit.

Gibt es ge­nü­gend Co­rona-Tests für die Bun­des­li­ga?

Kri­tik aus der Po­li­tik (u. a. SPD-Ge­sund­heits­ex­perte Karl Lau­ter­bach) und von Vi­ro­lo­gen, die Bun­des­liga würde La­bor-Ka­pa­zi­tä­ten in An­spruch neh­men, die Ri­si­ko­grup­pen, Er­krankte oder Kli­nik-und Pfle­ge­per­so­nal drin­gen­der be­nö­ti­gen, wi­der­legt Evan­ge­los Kot­so­pou­los, Vor­stand des Be­rufs­ver­bands „Ak­kre­di­tierte La­bore in der Me­di­zin“ (AL­M): „Selbst wenn die 36 Ver­eine ihr Per­so­nal alle zwei Tage mit je­weils 40,50 Per­so­nen durch­tes­ten wür­den, lie­gen wir unter einem hal­ben Pro­zent der Test-Ka­pa­zi­tä­ten. Das ist in ab­so­lu­ten Zah­len so ge­ring, dass das re­gio­nal vor Ort ein­fach so mit­ge­macht wür­de.“ Dies sieht Kot­so­pou­los als „voll­kom­men un­pro­ble­ma­tisch“ an.

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