eSports FIFA
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eSports FIFA Quelle: Getty Images /

Löst eSports bald die Bundesliga ab?

SPORT BILD beantwortet alle wichtigen Fragen zum Massenphänomen: für Neulinge und Nerds

Schnelle Frage: Kennen Sie den größten Wachstumsmarkt im weltweiten Sport? Fußball? Basketball? Eishockey? Alles falsch! Der elektronische Sport (kurz „eSports“) entwickelt sich schneller als jede klassische Sportart. Bis 2022 wird sich der weltweite Umsatz der virtuellen Wettkämpfe von aktuell 890 Mio. Euro auf 4,8 Milliarden erhöhen. 270 Millionen Menschen verfolgen die Turniere jetzt schon regelmäßig weltweit. Bis 2020 werden es 500 Millionen sein. Ähnlich wie in anderen Sportarten gibt es Turniere und Ligen, in denen eSportler gegeneinander antreten und um Preisgelder konkurrieren. In den ausverkauften Arenen herrscht eine Stimmung wie in Fußballstadien. Auch immer mehr Fußball-Bundesligisten wie der VfL Wolfsburg, Schalke 04, der VfB Stuttgart oder RB Leipzig wollen von dem virtuellen Trend profitieren. Es winken neue Fans – und Einnahmen in Millionenhöhe. Was verbirgt sich hinter eSports? SPORT BILD beantwortet die wichtigsten Fragen zum professionellen Zocken!

Was ist eSports überhaupt?

eSports bezeichnet das wettbewerbsmäßige Spielen von Computer- und Videospielen. Ob am PC oder Konsole, Renn- oder Actionspiel: Wer den geregelten Wettkampf gegen andere Zocker ausübt, betreibt eSports. Dies erfordert sowohl motorische Fertigkeiten als auch taktisches Verständnis.

Was sind die beliebtesten eSports-Spiele?

Das Echtzeit-Strategiespiel League of Legends (LoL) ist das populärste Spiel weltweit. Über 100 Millionen aktive Spieler hat LoL. Dahinter reihen sich Spiele wie Dota 2, Counter Strike, Call of Duty und die FIFA-Reihe ein.

Seit wann gibt es eSports?

Was seinen Anfang in den 1970er-Jahren mit dem Spiel „Pong“ oder „Pac-Man“, Wettkämpfen an Arcade-Automaten und LAN-Partys nahm, kennt heute jeder vierte Internetnutzer in Deutschland. 42 Prozent aller Deutschen spielen Computer- und Videospiele, bei den 10- bis 18-Jährigen sind es sogar 89 Prozent.

Seit wann gibt es die legendäre FIFA-Reihe?

Schon seit 25 Jahren! Mit FIFA International Soccer erschien 1993 der erste Titel der FIFA-Spiele des Herstellers Electronic Arts. Knapp 50 verschiedene Versionen hat der Publisher in den vergangenen Jahrzehnten veröffentlicht. FIFA 17 war 2016 das meist- und schnellstverkaufte  Videospiel in Deutschland. Zeitgleich zockten weltweit 1,6 Millionen Spieler die Fußballsimulation am ersten Wochenende nach dem Erscheinen von FIFA 18.

Kann jeder FIFA-Profi werden?

Theoretisch ist das möglich. Jedes Wochenende finden, wie in der Bundesliga auch, Spiele statt. An diesen kann jeder teilnehmen. Jeder Spieler muss in einem bestimmten Zeitraum bis zu 40 Spiele bestreiten. Die FIFA-Liga findet das ganze Jahr über statt. Je mehr Siege, desto besser ist das Ranking am Ende des Wochenendes. In manchen Monaten zählt dann das Endranking jedes Wochenendes. 

Wer ist der beste deutsche FIFA-Spieler?

Cihan Yasarlar (24), aktuell bei RB Leipzig unter Vertrag, gilt als einer der besten FIFA-Spieler Deutschlands. Der Berliner wurde 2017 für Schalke 04 Europameister auf PS4, ist Deutscher Meister der „Virtuellen Bundesliga“ und der „ESL-Liga“. Nr. 1 der Welt ist derzeit der Engländer Spencer „Gorilla“ Ealing. Unter den Top 10 befinden sich vier weitere Deutsche: Kai „deto” Wollin, Timo „TimoX“ Siep, Tim „The StrxngeR“ Katnawatos und Mohammed „MoAubameyang“ Harkous. 

 Löst eSports bald die Bundesliga ab?

Joshua Begehr, Berater von eSports-Reputation, einer Agentur für virtuelle Fußballspieler, sagt: „eSports konkurriert zwar noch nicht mit den Zahlen der Fußball-Bundesliga, bedroht aber traditionelle deutsche Kernsportarten wie Basketball, Eishockey oder Handball in den Bereichen Zuschauer und Umsatz. Dass es zu den erfolgreichsten „Sportarten“ der Welt gehören wird, ist für Begehr nur eine Frage der Zeit.

Was verdient ein Profi?

Professionelle League-of-Legends-Teams haben zumeist monatliche Gehälter, die sich zwischen 20 000 und 25 000 US-Dollar bewegen. Berater Joshua Begehr sagt: „Unter 5000 Euro Gehalt pro Monat wird es bald schwierig werden, einen Top-10-Spieler der FIFA-Weltrangliste zu verpflichten.“

Gibt es Spieler-Transfers?

Ablösesummen gab es bei FIFA derzeit noch keine. Den Transfer-Rekord in der eSports-Geschichte gab es bei Counter Strike. Der Bosnier Nikola „NiKo“ Kovac wechselte vom deutschen Team mousesports für 500 000 Dollar zum US-Team FaZe.

Wie hoch sind die Preisgelder?

Mit dem Gewinn des FIFA Interactive World Cup 2017, vergleichbar mit dem WM-Titel im Fußball, gewann der Engländer Spencer „Gorilla“ Ealing ein Preisgeld von 200 000 US-Dollar (ca. 169 000 Euro) und bezwang im Finale den deutschen Kai „deto“ Wollin, der für Platz 2 noch 32 000 Euro absahnte. Im Vergleich: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) honorierte den historischen WM-Titel in Brasilien mit einer Summe von bis zu 300 000 Euro pro Mann.

Wie lange wird trainiert?

Das kommt ganz auf den Spieler an. Um erfolgreich zu sein und die Konzentration bestmöglich zu halten, spielen Profis bis zu fünf Stunden am Tag. Vor Turnieren erhöht sich die Intensität noch einmal.

Es gibt – wie im Fußball – auch eine Video-Analyse. „Deto“ Wollin sagt:  „Wenn Material auf YouTube zur Verfügung steht, kann man sehr viel davon lernen. Ich sehe mir die Aufstellung des Gegners an, wie offensiv oder defensiv er spielt, welche Tricks er benutzt etc. Die Lieblings-Moves zu kennen kann entscheidend sein.“

Gibt es Schiedsrichter?

Es gibt keinen direkten Schiedsrichter, der ins Spiel eingreift. Jedoch gibt es unabhängige Beobachter, die das Spiel verfolgen. Diese achten darauf, dass nicht geschummelt wird. Beispielsweise, dass ein Trainer unerlaubterweise über ein Headset mit seinem Team während des Spiels kommuniziert. Bei Vergehen können Teams disqualifiziert werden.

Wie viel Geld stecken die Vereine in eSports?

Joshua Begehr schätzt, dass ein Verein bereits mit 150 000 Euro ein eSports-Team stellen kann. In ein League-of-Legends-Team stecken die eSports-Abteilungen bereits einen Millionenbetrag pro Jahr.

Werden Turniere übertragen?

Auf Internet-Plattformen wie Twitch.tv können Spiele live angeschaut werden. Klein und unabhängig ist die Plattform nicht mehr: 2014 kaufte Amazon die Plattform – für eine Milliarde Dollar! Der TV-Sender SPORT1 überträgt live zur Primetime (29.10.) das Finale der ESL One in Hamburg. Auch ProSieben und Sky übertragen teilweise einige Spiele und stellen Live-Streams online.

Wie fit muss man sein, um aktiver eSportler zu sein?

Professor Ingo Froböse, eSports-Experte der Sporthochschule Köln: „eSportler sind sich nicht über die Belastungen, die das Zocken auf sie hat, bewusst. Die jungen Spieler müssen ein körperliches Training und eine gesunde Ernährung, wie Hochleistungssportler auch, in ihren Alltag integrieren. Wenn eSportler weiterhin unkontrolliert über Stunden zocken, endet ihre Karriere bereits mit Mitte 20. Durch gezieltes Training wäre es möglich, diese um bis zu fünf Jahre zu verlängern.“

Wie lange dauert eine eSportler-Karriere an?

Die Zeit tickt, denn während bei Kickern ab 30 die Muskeln müde werden, ist bei eSportlern bereits mit Ende 20 Schluss. Grund: Das Gehirn kann die vielen Informationen nicht mehr so schnell verarbeiten.

Ist eSports ein anerkannter Sport in Deutschland? 

Während in Nationen wie Südkorea, den USA oder Frankreich eSports offiziell als Sportart anerkannt ist, sträubt sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), eSports als Sport anzuerkennen.

Wie ist eSports organisiert?

Anders als etwa im Fußball gibt es keinen übergreifenden Weltverband. Stattdessen existieren verschiedene nationale und internationale Verbände nebeneinander. Eine der bekanntesten internationalen Organisationen ist die 2008 gegründete International eSports Federation (IeSF). Sie setzt sich für die Verbreitung und Anerkennung von eSports ein.

Wird eSports olympisch?

Bei den Asienspielen 2022 wird es zum ersten Mal eSports-Wettkämpfe geben. Auch IOC-Chef Thomas Bach hält es nicht für ausgeschlossen, dass eines Tages eSports-Disziplinen im Programm der Olympischen Spiele auftauchen. Er begrüße die Möglichkeit, mit der Integration von eSports ein jüngeres Publikum für Olympia begeistern zu können. Allerdings erteilt er gewalthaltigen Spielen eine Absage. Kontrollen von Doping, möglichen Technikmanipulationen und dem respektvollen Umgang der Spieler müssen laut Bach gewährleistet werden.

Wie viel kostet der Eintritt?

Tickets für die LoL-WM gibt es bereits für 10 Euro. Für das ESL One in Hamburg (ab 28. 10.) liegen die Preise zwischen 40 und 250 Euro.