Unzufrieden: Paris-Trainer Tuchel. In der Champions League droht seiner Star-Truppe das frühe Aus.
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Unzufrieden: Paris-Trainer Tuchel. In der Champions League droht seiner Star-Truppe das frühe Aus. Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Thomas Tuchel kämpft um alles

Fliegt Paris aus der Champions League, wird es kritisch für den Trainer

Thomas Tuchel (45) flog 2017 bei Borussia Dortmund raus, obwohl er sportlich erfolgreich war: DFB-Pokalsieg und Champions-League-Startplatz.

Er hatte sich wegen seiner menschlich schwierigen Art mit den BVB-Bossen überworfen, Schlüsselspieler waren klar gegen ihn. Mit dem Starensemble von Paris St-Germain ist Tuchel auch erfolgreich. Aber nur in der Liga:

13 Siege in 13 Spielen. In der Champions League droht das Aus schon in der Vorrunde.

Deshalb geht es für Tuchel trotz Vertrags bis 2020 bereits wieder um seinen Job!

Vorgänger Unai Emery (47), der PSG zuvor zweimal bis in das Achtelfinale der Champions League geführt hatte, wurde abserviert. PSG-Präsident Nasser Al- Khelaifi war das Erreichte zu wenig. Der milliardenschwere Scheich aus Katar erwartet den Titel in der Champions League. Dafür pumpt er zig Millionen in den Klub.

Was noch gegen Tuchel spricht: Er bringt - wie in Dortmund - die Bosse und Spieler gegen sich auf.

Beispiele: Beim BVB motzte Tuchel gegen den Kauf von Mario Götze, er wollte einen anderen Spielertypen. In Paris ist es ähnlich: Er beklagte intern, dass zu dieser Saison kein robuster Sechser geholt wurde. In Dortmund verscherzte es sich Tuchel komplett mit Chefscout Sven Mislintat (46), der nun ausgerechnet Emery bei Arsenal London erfolgreich zuarbeitet.

Ähnlich verhält sich Tuchel in Paris: Den Kontakt zu Sportdirektor Antero Henrique hat er auf ein Minimum reduziert. Tuchel ist sauer, weil Henrique angeblich Transfers wie den von Bayern- Verteidiger Jérôme Boateng verbockt haben soll.

In Dortmund isolierte sich Tuchel zunehmend von seinen Spielern. Am Ende beschwerte sich sogar ein pflegeleichter Profi wie der damalige Kapitän Marcel Schmelzer über Tuchels Umgang mit einem verdienten BVB-Spieler wie Nuri Sahin (jetzt Werder). Nun deckte die französische Sportzeitung L'Équipe auf, dass Tuchel die PSG-Stars Edinson Cavani, Neymar, Kylian Mbappé, Adrien Rabiot und Thiago Silva hart kritisiert und von ihnen viel mehr Konzentration auf dem Spielfeld gefordert habe. Tuchel ging seine Stars dabei sehr emotional an. Ob er sie damit erreicht und überzeugt hat, ist fraglich.

Die Parallelen zu seiner BVB-Episode sind deutlich: Tuchel verliert den in der Vereinsspitze. Weil er schon nach Schuldigen für das drohende Aus in der Champions League sucht. Dort liegt Paris bei noch zwei Spielen mit fünf Punkten nur auf Rang drei hinter Liverpool und Neapel (je sechs Punkte)."Noch können wir es schaffen", sagt Tuchel. Das wohl nur, wenn Paris am 28. November Liverpool besiegt -mit Jürgen Klopp, seinem Trainer- Vorgänger in Mainz und Dortmund. Nur einen einzigen Sieg verbuchte Tuchel bislang im Kollegen-Duell. Ein frühes Champions-League-Aus würde für Tuchel nach SPORT BILD-Information indes nicht automatisch das Ende in Paris bedeuten. Dann würde seine Zukunft stark davon abhängen, wie er der Klubspitze gegenüber auftritt. Das Fordern millionenschwerer Zukäufe im Winter etwa käme gar nicht gut an. Henrique, sein interner Erzrivale, hält den teuren Kader für gut genug.

Dazu kommt, dass die Uefa gegen PSG wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Financial Fairplay ermittelt. Deshalb will man nicht durch weitere Star-Einkäufe möglicherweise sogar den Rauswurf aus der Champions League provozieren, nur weil Tuchel meckert. Dann doch lieber den Trainer vor die Tür setzen...