Tuchel ist der letzte große Neymar-Verbündete in Paris

Autor : Christian Falk | 18.09.2019

Der Superstar versprach dem ehemaligen BVB-Trainer seine Loyalität bei einem Verbleib. Der Coach ist nun sein engster Vertrauter.

Es waren gel­lende Pfif­fe, die jeden Ball­kon­takt von Ney­mar (27) be­glei­te­ten. Und das bei einem Heim­spiel. Die Fans von Paris Saint-​Ger­main haben dem bra­si­lia­ni­schen Su­per­star das Wech­sel­thea­ter aus dem Som­mer nicht ver­zie­hen. Daran än­dert auch sein Traum­tor zum 1:0-​Sieg gegen Straß­burg nichts. „Ich weiß, von jetzt an wird jedes Spiel ein Aus­wärts­s­piel für mich“, sagte Ney­mar an­schlie­ßend. In Paris hat er nur noch einen Ver­bün­de­ten: Tho­mas Tu­chel (46).

Die Mel­dun­gen und Ge­rüchte über den Star konnte der Trai­ner etwas ent­spann­ter ver­fol­gen als alle an­de­ren Klub-​Ver­ant­wort­li­chen bei PSG. Tu­chel wusste im­mer: Geht Ney­mar, hat sein Ver­ein mehr fi­nan­zi­el­len Spiel­raum auf dem Trans­fer­markt. Muss der Spiel­ma­cher blei­ben, be­kommt er trotz allem einen mo­ti­vier­ten Profi – das ver­si­cherte ihm Ney­mar per­sön­lich. Der Bra­si­lia­ner hielt zu jeder Phase Kon­takt mit Tu­chel, sagte ihm im Falle eines Ver­bleibs seine ab­so­lute Loya­li­tät zu. Zum Start in die Cham­pi­ons Lea­gue, wo Paris die­sen Mitt­woch auf Real Ma­drid trifft, kann Tu­chel aber noch nicht auf Ney­mar bau­en: Er ist wegen Schieds­rich­ter-Beleidi­gung für drei Spiele ge­sperrt.

Neymar wechselte 2017 für 222 Millionen Euro von Barcelona zu Paris. Seitdem sorgte er für zahlreiche Skandale. Er versuchte im Sommer mit allen Mitteln, seine Rückkehr zu Barça zu erzwingen.

 

Dabei ist Tu­chels Schick­sal eng an Ney­mar ge­knüpft – nicht nur in die­ser Cham­pi­ons-​League-​Sai­son. Der Trai­ner hat einen Hang zu schwie­ri­gen Ty­pen. Beim BVB hatte er selbst Pi­erre-​Eme­rick Au­ba­meyang (30) und Ous­mane Dem­bélé (22) im Griff. Bei Paris war Tu­chel noch nicht of­fi­zi­ell ver­kün­det, da saß er be­reits mit Ney­mar am Tisch. Die Pa­ris-​Bosse lie­ßen An­fang Mai 2018 eine Etage des Ho­tels „Hip­po­dro­me“, in dem PSG vor Heim­spie­len gas­tiert, re­ser­vie­ren. Für das ge­heime Tref­fen flog Tu­chel ein, um sich mit den Chefs und dem da­ma­li­gen Sport­di­rek­tor An­tero Hen­ri­que aus­zut­au­schen. Ge­la­den war dazu als ein­zi­ger Spie­ler: Ney­mar. Nach den ers­ten Ge­sprä­chen ver­lie­ßen fast alle den Raum. Zu­rück blie­ben nur Tu­chel und Ney­mar. Der Bra­si­lia­ner hatte ei­nige Fra­gen an den Mann, der in Zu­kunft PSG lei­ten soll­te: Wie sieht er ihn? Wie will er das Pa­ri­ser Spiel um ihn herum auf­bau­en? Die Ant­wor­ten des Deut­schen ge­fie­len dem Bra­si­lia­ner. Seit­her ist Tu­chel für Ney­mar der engste Ver­traute im Klub.

Tuchel ist seit Sommer 2018 Trainer in Paris. Pro Spiel holt er im Schnitt 2,30 Punkte. Mit PSG wurde er einmal Meister und holte zweimal den französischen Supercup.

 

„Für mich ist es ganz nor­mal zwi­schen uns“, so Tu­chel auf dem Hö­he­punkt des Barça-​Wer­bens um Ney­mar. Er ver­sucht erst gar nicht, das ka­pri­zi­öse Genie um­zu­er­zie­hen, wie er es viel­leicht frü­her ge­macht hät­te. Viel­mehr gibt er Ney­mar die Frei­hei­ten auf der Zehn, die er braucht. Denn Tu­chel braucht vor allem in der Cham­pi­ons League auch Ney­mar. Und um­sorgt ihn wei­ter. „Es war nicht ein­fach für ihn, denn er ist ein sehr sen­si­bler Jun­ge“, sagte der Coach nach den Pfif­fen gegen Ney­mar am Wo­chen­en­de.

Die PSG-​Bosse er­war­ten min­des­tens das Er­rei­chen des Cham­pi­ons-​League-​Halb­fi­nals. Eher mehr. Dem Trai­ner ist dabei durch­aus be­wusst: Will Ney­mar den Klub spä­tes­tens Som­mer Rich­tung Spa­nien ver­las­sen, muss er nun zei­gen, dass er eine Mega-​Ab­löse wert ist.

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