Bruno Labbadia: "Tendenz geht eher Richtung Ausland"

Autor : Robert Schreier | 15.05.2019

SPORT BILD: Herr Labbadia, Sie haben den VfL Wolfsburg vor dem Abstieg gerettet und aus der Relegation nun kurz vor die Qualifikation für die Europa League geführt: Wie groß ist die Genugtuung, es denen gezeigt zu haben, die sagten, Sie könnten nur retten und nichts aufbauen?

BRUNO LABBADIA (53): Genugtuung ist mir fremd, aber ich empfinde Befriedigung nach diesem Jahr. Es war nicht zu erwarten, dass wir so erfolgreichen und teilweise auch spektakulären Fußball spielen. Die Freude auf das letzte Spiel ist riesengroß, gerade weil wir Europa aus eigener Kraft erreichen können. Ich finde es allerdings schade, immer wieder betonen zu müssen, dass ich mehrfach bewiesen habe, dass das Retter-Image nur eine Facette meiner Trainerlaufbahn ist.

Ich habe beispielsweise Stuttgart gerettet und dann zweimal hintereinander ins internationale Geschäft geführt oder bin mit dem HSV bis in das Halbfinale der Europa League gekommen.

Wie verabschieden Sie sich von Geschäftsführer Jörg Schmadtke, mit dem Sie kein gutes Verhältnis haben?

So wie wir uns begrüßt haben, verabschieden wir uns auch: per Handschlag. Ich bin sehr froh, dass wir die Zeit sauber und professionell über die Bühne gebracht haben. Dafür musste ich mich nicht verbiegen. Ich habe eine klare Entscheidung getroffen, nicht weiterzumachen. Aber natürlich wird es auch ein emotionaler Abschied, denn es hat mir viel Spaß gemacht, mit dieser Mannschaft zusammenzuarbeiten.

Was kommt für Sie nach Wolfsburg?

Ich habe letzte Woche zwei Angebote aus dem Ausland abgesagt, weil mir die sportliche Perspektive nicht gefallen hat. Wenn ich ein Angebot bekomme, das mir zusagt, ist es unabhängig vom Land oder von der Liga.

Wenn nichts Spannendes kommt, mache ich Pause und genieße mein Leben und die Zeit mit meiner Familie. Die Tendenz geht bei mir aber eher in Richtung Ausland.

Ist eine Rückkehr zum HSV spannend für Sie?

Damit habe ich mich nicht beschäftigt. Es ist sehr schade für die Stadt und den Verein, dass der Wiederaufstieg nicht gelungen ist. Ich hatte es allen sehr gewünscht. Ich beobachte immer noch, was bei meinen Ex-Vereinen passiert. Hamburg ist mein Lebensmittelpunkt. Aber wie gesagt: Darüber mache ich mir momentan keine Gedanken.

Täuscht der Eindruck, dass Trainer Ihrer Generation nicht mehr so gefragt sind?

Ist das so? Ich sehe es ein bisschen anders und kann da auch nur für mich sprechen: Ich fühle mich nicht als alter Trainer oder als junger Trainer, sondern mittendrin. Aber letztendlich muss der Verein entscheiden, mit welchem Typ Trainer er zusammenarbeiten möchte.

Die Nervosität in den Vereinen ist groß. Selbst Niko Kovac als potenzieller Double-Gewinner bekommt keine JobGarantie.

Ich finde es beeindruckend, wie Niko seinen Job macht. Den Rückstand von neun Punkten wettgemacht zu haben spricht für ihn. Das ist keine einfache Aufgabe. Man tut gut daran, die Trainer zu stärken, es ist wichtig, dass sie weiterhin ihre Ideen umsetzen können. Trainer dürfen nicht die Marionette der Klubführung sein, denn sie nehmen innerhalb des Vereins eine wichtige Führungsposition ein.

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