Bruno Labbadia: „Verteidigt das Tor wie eure Familie“

Autor : Robert Schreier | 27.02.2019

Im Hochsommer redeten Manager Jörg Schmadtke (54) und Trainer Bruno Labbadia (53) über die Ziele für den VfL Wolfsburg. Die Niedersachsen hatten sich gerade in der Relegation vor dem Abstieg gerettet.

Dennoch sprach Labbadia bei dem Treffen davon, dass er einen Platz im oberen Tabellendrittel anstrebe. Schmadtke reagierte gewohnt trocken und empfahl, erst einmal „Boden unter die Füße der Spieler“ zu bekommen. Nun, neun Monate später, ist klar: Labbadia hatte das Potenzial richtig eingeschätzt. Der VfL ist Tabellenfünfter, hat sogar die Champions League im Visier! 

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Die Kicker aus der VW-Stadt laufen und laufen. „Im letzten Jahr hatte ich Spiele von Wolfsburg gesehen, da dachte ich von außen, das ist ein willenloser Haufen, der vieles mit sich geschehen lässt“, sagt Schmadtke.

Im Sommer habe ich schnell gemerkt, dass die Jungs klare Ziele haben und nichts herschenken. Das ist ein Wesenszug der Mannschaft.

Dazu gehört, die quälenden Einheiten von Labbadia mitzumachen. „Ich kenne es aus anderen Vereinen, dass sich Spieler gern mal ein Wehwehchen nehmen, wenn Ausdauertraining während der Länderspiel-Pausen ansteht“, sagt Schmadtke. „Das macht hier keiner.“

Das spricht auch für die guten Transfers von Manager Schmadtke. „Die neuen Spieler passen charakterlich und haben sich toll integriert“, sagt VfL-Profi Robin Knoche (26). Mittelfeldspieler Maximilian Arnold (24) meint: „Der Verein hat diesmal die richtigen Schlüsse gezogen und gut eingekauft.“ Stürmer Wout Weghorst (26/10,5 Mio. Euro) ist bester Scorer.  Linksverteidiger Jérôme Roussillon (5 Mio.) bärenstark. Und Daniel Ginczek (14 Mio.) war bis zu seiner Verletzung bester Scorer.

Aber Labbadia kitzelt seine Spieler auch mit Psycho-Tricks. „Wir haben die Mannschaft immer mitgenommen und ihr gesagt: Wir müssen mehr tun als jede andere Mannschaft in der Liga, weil wir Letzter sind. Die zwei hinter uns sind abgestiegen, die Aufsteiger kommen mit Selbstvertrauen“, sagt der Trainer. 

Kapitän Josuha Guilavogui (28) verrät:

Der Trainer sagt uns, wir sollen das Tor so verteidigen, wie wir unsere Familien verteidigen würden.

Das wirkt. Der VfL spielte in dieser Saison schon achtmal zu null, so oft wie in der gesamten Vorsaison. Auch wegen der klaren Linie von Labbadia. „Die Automatismen funktionieren. Jeder weiß, was zu tun ist“, sagt Knoche.

Das gilt für den gesamten Verein. Mehr als drei Jahre waren wichtige Positionen entweder gar nicht oder mit wenig Erfahrung besetzt. Für Olaf Rebbe war der Sportdirektor-Posten genauso ungewohnt wie das Amt des Bundesliga-Cheftrainers für Andries Jonker. Über diese Zweifel sind die Verantwortlichen seit Sommer erhaben. Schmadtke weiß als Manager ebenso, was er tut, wie Trainer Labbadia. Und wie Michael Meeske, einer der kaufmännischen Geschäftsführer, der lange in Nürnberg und bei St. Pauli in gleicher Rolle tätig war. Es herrscht wieder Ruhe im Verein.

„Das ist unglaublich wichtig“, sagt Arnold, seit 2009 beim VfL. „Als Spieler bist du jetzt nicht mehr mit tausend Dingen konfrontiert, sondern nur noch damit, was du auf dem Feld abliefern musst.“

Ein wichtiges, mitentscheidendes Rädchen im System des neuen VfL ist Marcel Schäfer (34). Der Sportdirektor spielte bis 2017 in Wolfsburg, kennt die Besonderheiten des Vereins in einer kleinen Stadt mit VW als Eigner. „Er hat nach außen eine fantastische Wirkung, weil er für Werte steht, die dem Verein guttun“, sagt Schmadtke. Und nach innen moderiert Schäfer geschickt bei Konflikten und Unruhe.

Von der Relegation auf Tabellenplatz fünf – das Ziel, eine bessere Saison als die vorige zu spielen, hat Wolfsburg längst erreicht. Jetzt winkt Europa. Arnold:

Es ist doch klar: Das Ziel ist es, da zu bleiben, wo wir jetzt stehen.

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