Marin Pongracic: "Bad Boy? Das bin ich nicht!"

Autor : Robert Schreier | 12.02.2020

SPORT BILD: Herr Pon­gra­cic, Sie sind ein biss­chen zu spät zum In­ter­view er­schie­nen.

MARIN PON­GRA­CIC (22): Ja, das tut mir leid. Ich habe es etwas ver­schwitzt.

Sie sind in der Win­ter­pause von RB Salz­burg zum VfL ge­wech­selt. Wie oft muss­ten Sie schon Strafe in die Mann­schafts­kasse zah­len, weil Sie zu spät ge­kom­men sind?

Ich bin ein­mal zwei Mi­nu­ten zu spät ge­kom­men. Es hilft mir, dass mein Hotel nur fünf Geh­mi­nu­ten vom Trai­nings­platz ent­fernt ist. Ich halte mich an Re­geln, zumal der Stra­fen­ka­ta­log in Wolfs­burg deut­lich saf­ti­ger ist als in Salz­burg.

Gegen Düs­sel­dorf sind Sie ver­gan­ge­nen Sams­tag wegen eines El­len­bo­gen­sto­ßes vom Platz ge­flo­gen. Nun müs­sen Sie doch er­neut mit einer in­ter­nen Geld­strafe rech­nen, oder?

Das war keine Ab­sicht, aber so etwas darf mir na­tür­lich nicht pas­sie­ren. Es tut mir leid, dass ich mei­ner Mann­schaft damit ge­scha­det habe. Dafür kann ich mich nur ent­schul­di­gen.

Sie wer­den in Ös­ter­reich also nicht um­sonst als Bad Boy be­zeich­net?

Das hat damit nichts zu tun. Ich bin in Salz­burg ab und zu aus der Reihe ge­tanzt, das gebe ich zu. Vor al­lem, weil ich zu spät ge­kom­men bin. Aber das ist ers­tens bes­ser ge­wor­den. Und zwei­tens trifft der Be­griff nicht den Kern: Ich bin eher ein Spaß­vo­gel als ein Bad Boy.

Das müs­sen Sie er­klä­ren.

Ich bin bei jedem Spaß in der Ka­bine da­bei. In den ers­ten Tagen in Wolfs­burg kam ich aus der Du­sche, und ein Mit­spie­ler hatte mein Hand­tuch ge­nom­men. Ich stand also blank da und musste sehr über mich selbst la­chen. Aber da werde ich mir noch etwas über­le­gen, wie ich mich re­van­chie­re. Den Be­griff „Bad Boy“ ver­binde ich eher mit Skan­da­len in der Öf­fent­lich­keit. Das hatte ich nie. Bei mir geht es eher dar­um, noch pro­fes­sio­nel­ler zu wer­den: im Zeit­ma­na­ge­ment, bei der Er­näh­rung, bei Schlaf­ge­wohn­hei­ten.

Was haben Sie ge­än­dert?

Ich meide Fast Food und esse aus­ge­wo­ge­ner. Aber ich werde mich wohl nie vegan er­näh­ren. Ich schaue jetzt auch mal frü­her auf die Uhr. Ich stelle mir mitt­ler­weile jeden Mor­gen auf mei­nem Handy fünf-bis zehn­mal den Wecker, immer im Ab­stand von etwa fünf Mi­nu­ten. Das brau­che ich, und meine Freun­din hilft mir, pünkt­lich auf­zu­ste­hen. Un­sere Regel ist, zehn Mi­nu­ten eher auf­zu­ste­hen als in Salz­burg.

Frank­furts Ver­tei­di­ger Mar­tin Hin­te­r­eg­ger steht da­für, dass Es­ka­pa­den neben dem Platz nicht un­be­dingt zu schlech­ten Leis­tun­gen füh­ren müs­sen.

Na­tür­lich ist alles auf dem Platz wich­ti­ger. Aber es ist nicht mein Ziel, neben dem Platz ma­chen zu kön­nen, was ich will, so­lange ich Leis­tung brin­ge. Ich glau­be, das würde nicht lange funk­tio­nie­ren. Ge­rade in Sa­chen Füh­rungs­stärke kann ich mir viel ab­schau­en.

Ein ab­so­lu­ter Füh­rungs­spie­ler ist Ivica Olic. Mit ihm haben Sie bei 1860 zu­sam­men­ge­spielt.

Er hat mir vor mei­nen ers­ten Profi-Ein­sät­zen immer ge­sagt, ich soll nicht ner­vös sein. Ivi hat mir mal zwei Paar Fuß­ball­schuhe ge­schenkt, weil ich da­mals fi­nan­zi­ell noch nicht so über die Run­den kam. Die Schuhe sind zwar in­zwi­schen ka­putt, aber ich be­halte sie als Er­in­ne­rung.

Sie hat­ten kein Geld für Schu­he?

Ich kam da­mals aus einer schwie­ri­gen Phase zu 1860, hatte nur einen Ama­teur­ver­trag und musste eine Woh­nung in Mün­chen zah­len. Ich war dann erst am Schluss bei den Pro­fis.

Für Sie war es da­mals nach der A-Ju­gend beim FC In­gol­stadt nicht wei­ter­ge­gan­gen. Sie muss­ten sogar an der Su­per­markt­kasse ar­bei­ten.

Ge­nau, ich habe par­al­lel zum Trai­ning bei 1860 bei Ten­gel­mann in Mün­chen an der Kasse ge­ar­bei­tet und war auch ein hal­bes Jahr Kell­ner. Ich musste das nicht tun, ich wollte es, um mir mehr leis­ten zu kön­nen. Die Jobs waren hart, vor al­lem, weil ich als Kas­sie­rer um 6 Uhr mor­gens auf­ste­hen muss­te. Aber es hat mich stär­ker ge­macht.

Warum?

Weil mir be­wusst ge­wor­den ist, wie hart an­dere Leute ar­bei­ten müs­sen, um über die Run­den zu kom­men. Wir Fuß­bal­ler haben einen ge­wis­sen Lu­xus, wenn wir uns pro­fes­sio­nell ver­hal­ten und auf dem Platz Gas ge­ben. Das sollte alles nicht selbst­ver­ständ­lich sein. Ich war im Alter von 14 bis 16 Jah­ren beim FC Bay­ern. Da gab es viel grö­ßere Ta­lente als mich. Und aus mei­ner Mann­schaft hat es nie­mand in den Pro­fi­fuß­ball ge­schafft. Viele hat­ten Pech mit Ver­let­zun­gen.

Warum ver­lief Ihre Kar­riere nicht gleich­mä­ßig po­si­tiv?

Ich hatte Pro­bleme mit der Dis­zi­plin und dem Pro­fi­sein. Die Schule fiel mir nicht leicht. Mein Fokus lag da­mals auf an­de­ren Din­gen.

Der FC Bay­ern hatte Sie jetzt als Zu­gang auf dem Zet­tel, auch Leip­zig hatte über eine Ver­pflich­tung nach­ge­dacht. Warum Wolfs­burg?

Das In­ter­esse der an­de­ren Ver­eine stimmt, aber es war nicht so kon­kret. Die Wolfs­bur­ger haben schon seit ei­ni­ger Zeit mit mir ge­spro­chen . Ich hatte die Mög­lich­keit , im Som­mer zu wech­seln, habe es aber nicht ge­macht. Da­nach war ich mit mei­nen Ein­satz­zei­ten in Salz­burg nicht zu­frie­den. Oli­ver Glas­ner (VfL-Trai­ner; d. Red.) hat eine ähn­li­che Spiel­phi­lo­so­phie, wie wir sie bei RB hat­ten. Das liegt mir.

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