Mit elf Jahren kam Elvis Rexhbecaj zum VfL Wolfsburg.
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Mit elf Jahren kam Elvis Rexhbecaj zum VfL Wolfsburg. Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Papa Platzwart, Sohn Profi! Mit elf Jahren kam Elvis Rexhbecaj zum VfL

Hier erzählen sie ihre Geschichte!

Ganz einfach ist der Name nicht. Aber so langsam muss man sich an Elvis Rexhbecaj (21) gewöhnen. Der Mittelfeldspieler hat sich einen Startelf-Platz beim VfL Wolfsburg erobert. Bei dem Verein, aus dessen Jugend er stammt. Den Weg zum Profi hat ihm sein Vater Rexh geebnet. Und das ist durchaus wörtlich gemeint.

Papa Platzwart, Sohn Profi! SPORT BILD trifft Vater und Sohn Rexhbecaj am Wolfsburger Elsterweg. Dort, wo die Plätze sind, auf denen Elvis das Fußballspielen lernte - und die Rexh damals wie heute pflegt.

Die gemeinsame Geschichte beginnt im Kosovo. 1999 tobt dort Krieg. Die Familie flüchtet nach Brandenburg, als Elvis gerade zwei Jahre alt ist. In der Jugend des BSC Süd überzeugt er Jahre später so sehr, dass sich die Bundesligisten um ihn reißen. Bayern, Hertha, Dortmund, Bremen fragen an. Doch der damalige Jugend-Chef Jens Todt lotst die Rexhbecajs nach Wolfsburg. Mit elf Jahren will der Papa den Sohn nicht ins Internat ziehen lassen, also geht er mit ihm -und erhält vom VfL ein Job-Angebot. Der bescheidene Rexh hat nur zwei Wünsche: "Nicht im Büro, sondern draußen. Und ich wollte samstags meinen Jungen Fußball spielen sehen können."

So wurde Rexh, der zuvor in einer Großbäckerei gearbeitet hatte, Platzwart - und bereitete unter anderem die Rasenflächen für den Filius. "Ich hatte nie etwas auszusetzen. Er hat das perfekt gemacht. Wir hatten selbst im Winter die besten Plätze in ganz Deutschland", sagt Elvis - und lacht: "Zu Hause ist es auch er, der sich um die Pflanzen kümmert."

Zu Hause, eine normale Wohnung in der Wolfsburger Innenstadt, wohnt auch Elvis mit seinen vier Geschwistern noch. "Die Familie bedeutet mir alles. Im Fußball kann es schnell passieren, dass man in eine andere Stadt ziehen muss. Darum bin ich gern so lange wie möglich daheim", sagt er. Nur vor Spielen ruht der Kontakt zur Familie etwas. "Einen Tag vor dem Spiel schreibe ich Elvis nicht mehr", sagt der Papa. "Ich möchte ihn nicht nervös machen." Früher versteckte sich Rexhbecaj senior immer bei den Jugendspielen, um seinen Sohn nicht unruhig zu machen.

Aber Elvis geht seinen Weg sowieso. Auch als der Papa über den 16-jährigen Sohn dachte, "das wird nichts mehr mit dem Fußball. Er war viel zu klein, wuchs nicht mehr." Selten war Elvis der Talentierteste seiner Mannschaft, dafür aber immer der größte Arbeiter. "Ich musste mir alles erkämpfen. Aufgeben werde ich nie", sagt Elvis Rexhbecaj, der im Fokus von U-21-Nationaltrainer Stefan Kuntz steht. Dessen Anruf ist der gemeinsame Traum von Papa und Sohn. "Ich möchte ihn einmal im deutschen Trikot sehen", sagt Rexh. "Dann wäre ich noch stolzer, als ich es ohnehin schon bin."